Über das Jahr verteilt finden zahlreiche Auktionen der Verbände und einiger Privatunternehmen statt, bei denen unter anderem Fohlen, aber auch Reitpferde, Zuchtstuten und zweijährige Hengste zur Versteigerung angeboten werden. Ist das jeweilige Fohlen gesund und munter zur Welt gekommen macht sich der Züchter zeitnah – meist aber bereits schon vor der Geburt – Gedanken darüber, welchen Weg der Vermarktung er bzgl. des individuellen Fohlens gehen möchte. Wie so oft in der Zucht gibt es auch hinsichtlich dieser Entscheidung wieder zahlreiche Wege, welche der Züchter gehen kann. Angefangen mit der Frage, ob man das Fohlen überhaupt bereits im jungen Alter verkaufen möchte oder es doch lieber zur Aufzucht behalten mag, um seine Entwicklung abzuwarten. Würde man sich dafür entscheiden, einen Verkauf vorerst noch abzuwarten, so warten bereits weitere Entscheidungen auf den Züchter, bei denen er sich unter anderem darüber Gedanken macht, ob er das Hengstfohlen zur Körung vorstellt, möglicherweise zweieinhalb jährig über die Auktion gehen lässt oder es selbst ausbildet, um es als Reitpferd zu vermarkten. Hinzu kommt natürlich auch immer die Möglichkeit, dass Fohlen für den Eigenbedarf zu behalten oder – falls es ein Stutfohlen ist – möglicherweise zur Nachzucht groß zu ziehen. Hat man sich nun dafür entschieden, das Neugeborene bereits im Fohlenalter zu verkaufen, so sind dem Züchter auch hier wieder zahlreiche Türen geöffnet.

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Während er den Verkauf jederzeit selbst in die Hand nehmen kann, sich seiner züchterischen Kontakte oder auch offiziellen Plattformen wie Ehorses bedienen könnte, so hat er zudem die Möglichkeit, den Verkauf über eine Auktion anzustreben. Sowohl die Verbände und Deckstationen, als auch einige Privatunternehmen wie beispielsweise die Elite Sales in Klein Roscharden von Henrik Klatte oder aber auch die TM-Auktionen von Thomas Münch bieten über das Jahr verteilt verschiedene Auktionen an. Die Veranstaltungen sind häufig bereits weit im Voraus terminiert, sodass sich ein Züchter nach der Geburt des Fohlens mittels des Internets genau darüber informieren kann, wann Auktionen stattfinden und welche Fristen er dafür zu wahren hat. Man mag es manchmal kaum glauben, aber ein Züchter hat bei einer bestimmten Anzahl von Zuchtstuten manchmal fast mehr Fristen im Kopf, als es ihm lieb ist. Nicht nur die Abfohldaten sind fest im Kopf verankert, auch die Tage der Rosse werden mitgezählt, die Größe des Follikels wird notiert, die Tage nach der Besamung sollte man sich merken und schlussendlich kommen noch zahlreiche Fristen für die Anmeldung zur Vorauswahl, zur Auktion selbst, zur Einsendung bestimmter Papiere und und und hinzu. Hinzu kommt, dass der Ansturm auf die Auktionen groß sind, die Veranstalter jedoch darauf bedacht sind, den Katalog auf eine überschaubare, stark selektierte Auswahl an qualitativ hochwertigen Fohlen zu beschränken. Zudem legen die Verbände teils Altersgrenzen für die jeweiligen Auktionen fest, sodass ein Fohlen lediglich für bestimmte Termine eine Zusage bekommen kann. War die Geburt also erfolgreich, sollte man nicht lange zögern, um sich die besagten, in Frage kommenden Termine zu notieren und sich Gedanken zu machen, auf welchen Vorauswahlterminen man das Fohlen vorstellen möchte.

Nicht selten bietet sich bereits an dieser Stelle die erste schwierige Entscheidung. Theoretisch hat man mit seinem Fohlen bei fast allen Verbänden die Möglichkeit, bei dem Vorauswahltermin vorstellig zu werden, sofern der Hengst für das jeweilige Zuchtgebiet zugelassen wurde und das Fohlen den Brand des Verbandes bekommt. Man macht sich also zunächst einmal Gedanken, welche Verbände theoretisch in Frage kämen und welcher Termin des jeweiligen Verbandes in Bezug auf das jeweilige Alter des Fohlens besonders geeignet erscheint. Je nach Geburtsdatum sind es meist zwei bis drei Auktionen, die Fohlen diesen Alters zulassen. Man muss sein Fohlen also genau begutachten und sich Gedanken darüber machen, an welchem Termin sich das Fohlen in Bezug auf seine körperliche Entwicklung wohl am Besten präsentieren würde. Eine gar nicht so leichte Entscheidung, wenn man bedenkt, dass auch diese Entwicklung vollständig ungewiss ist und letztendlich in der Hand von Mutter Natur liegt.

Hat man nun seine Palette an möglichen Vorstellungsterminen liegt es an dem Züchter, bei welchem Vorauswahltermin er vorstellig wird. Im Prinzip wäre es auch möglich, sämtliche Termine anzufahren, die Zusagen zu sammeln und schlussendlich zu schauen, welche Auktion am meisten beliebt. Kaum ein Züchter wird diesen Weg jedoch gehen, wenn er im kommenden Jahr erneut eine Chance auf eine Zulassung haben möchte. Für die Verbände und auch für die Privatunternehmen wäre es mit viel Ärger verbunden, wenn die zugelassenen Fohlen im weiteren Verlauf wieder reihenweise abspringen. Die Wahrscheinlichkeit ist dementsprechend nicht unbedingt gering, dass die Auswahlkommission sich im darauffolgenden Jahr zweimal überlegt, ob er den jeweiligen Züchter erneut eine Zusage erteilt. Hat sich der Züchter nun für einen Verband entschieden, kann er mit Mutterstute und Fohlen bei einem der Auswahltermine vorstellig werden. Meist sind die Kommissionen flexibel, sodass man theoretisch auch bereits an einem Termin, welche ursprünglich für Auktion X selektiert, eine Zusage für Auktion Y bekommen kann, wenn ihnen das Fohlen zusagt und der Katalog für Auktion X bereits so gut wie voll ist.

Die Vorauswahl läuft meist relativ simpel ab und verlangt vor Ort vom Züchter häufig nur einen zeitlichen Zeitaufwand von 15 bis 20 Minuten. Die meiste Zeit kostet es stattdessen, die Mutterstute und das Fohlen entsprechend vorzubereiten und die teils enorm lange Fahrtstrecken auf sich zu nehmen. Einige Verbände bieten verschiedene Sichtungsstandorte an, welche von der Kommission angefahren werden. Dadurch haben die Züchter die Möglichkeit, den nächstgelegenen Standort für die Vorstellung des Fohlens auszuwählen, um das Fohlen nicht auf eine unnötig lange Reise zu schicken. Nicht bei allen Veranstaltern gibt es jedoch diese Möglichkeit, sodass nicht selten zwischen drei und sechs Stunden Fahrzeit anstehen.

Bevor man die lange Reise antritt sollte man sein Fohlen vorab für den Auswahltermin anmelden. Meist fragen die Züchter in diesem Gespräch bereits vorsichtig nach, wie groß das Interesse der Auswahlkommission an einem Fohlen dieser Abstammung ist. Eine verbindliche Zusage wird dem Züchter auf diesem Wege zwar nicht erreichen, aber er kann so ausschließen, dass der Katalog mit einer ähnlichen Abstammung bereits gefüllt ist und die lange Reise von vornherein umsonst ist. Ist der Tag der Tage gekommen, werden Mutterstute und Fohlen eingeflochten, herausgeputzt und schlussendlich verladen. Meist bietet es sich an, das Fohlen bereits am Tage zuvor einzuflechten, um mögliche Verzögerungen zu vermeiden. Zudem richten wir die Stute meist in der Box her, um dem Fohlen so wenig Aufregung und Stress zu  vermitteln und es so lange in der gewohnten Umgebung zu lassen, wie es einem möglich ist.

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Der Rest ist eigentlich relativ simpel. Anders als bei einem Reitpferd benötigt man bei dem Vorauswahltermin nur eine Trense, ein Fohlenhalter und Stricke, sowie Putzzeug und ggf. noch einmal Fett für die Trense und für die Hufe. Der Hänger wird – wie bereits in dem Beitrag „Hängerfahrt mit einem Fohlen“ beschrieben, vollständig ausgeräumt und von Trennwänden befreit. Zudem kann man die Fläche mit Stroh auslegen und Heu bereitstellen, damit das Fohlen sich notfalls hinlegen und ausruhen kann. Bei der Vorauswahl selbst wird das Fohlen im Ring präsentiert. Die Mutterstute wird dabei auf der rechten Hand vom Helferteam oder von einem selbst geführt, während das Fohlen auf der rechten Seite der Mutterstute, frei von jeglichen Utensilien nebenher läuft. Rascheltüten, Klatschen und Pfeifen helfen dabei, dass das Fohlen sich hellwach und dennoch frei von negativer Verspannung präsentiert. Im Anschluss wird es der Kommission noch einmal im Stand gezeigt, damit das Team das Exterieur des Fohlens beurteilen kann. Das Ergebnis der Vorstellung bekommt man meist unmittelbar im Anschluss. Erhält man eine Zusage, wird man in den darauffolgenden Tagen Post von dem Veranstalter bekommen. Manchmal steht nun noch eine weitere Fahrt zum Foto- und Videotermin an, bei dem Materialien für die Auktionskataloge gesammelt werden. Immer häufiger wird allerdings bereits bei der Vorauswahl fotografiert und gefilmt, um Mutterstute und Fohlen eine weitere Reise zu ersparen.

Wie es nun auf der Auktion weitergeht, erfahrt ihr nächste Woche in einem weiteren Beitrag.

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