Die Elite Sales International in Klein Roscharden
Die Elite Sales International in Klein Roscharden

Welche Vor- und Nachteile bringt nun eine solche Fohlen- und Reitpferdeauktion mit sich? Umstände, die von Ausstellern ganz klar als Vorteil bezeichnet werden, sind für die Verkäuferseite häufig zugleich ein klares Manko. Auch wenn ich selbst noch nie als Käufer auf einer Auktion unterwegs war, soll es heute um beide Seiten der Medaille gehen.

Stellen wir uns zunächst einmal auf die Verkäuferseite, so ist wohl der gravierendste Vorteil, dass man auf einen Schlag viele Pferde angeboten bekommt. Anders als über Privatverkäufe muss man bei einer Auktion keine zig Kilometer fahren, um sich ein Pferd nach dem anderen anzuschauen. Stattdessen werden einem an einem einzigen Ort eine Vielzahl von Pferden präsentiert, welche allesamt zum Verkauf angeboten werden. Aber nicht nur die Vielzahl beeindruckt: Nicht zu unterschätzen ist zudem die hohe und akribische Selektion der Auktionspferde, welche im Vorfeld und auch noch währen der Auktionstage vorgenommen wird. Schaut man in den Katalog einer Auktion rein, so kann man sich sicher sein, dass diese Pferde vorab bei einer strengen Auswahlkommission vorstellig wurden, welche unter einer Vielzahl von Pferden genau diese Pferde ausgewählt haben, welche nun zum Verkauf stehen. Es handelt sich bei der Auktion also keinesfalls um eine beliebige Ansammlung von Pferden, bei dem jeder einfach so dran teilnehmen kann. Stattdessen kann man sich sicher sein, dass die schlussendlich zum Verkauf stehenden Reitpferde und Fohlen eine hoch selektierte und vorsortierte Auswahl darstellen, welche allesamt aufgrund ihrer Qualität und des Ergebnisses der tierärztlichen Untersuchung überzeugten.

Damit wären wir auch schon beim nächsten Vorteil für die Käuferseite: Die Auktionspferde werden allesamt einer sehr kritischen röntgenologischen und klinischen Untersuchung unterzogen. Die Röntgenbilder können dabei jederzeit eingesehen werden und der Verbandstierarzt steht jederzeit für Rückfragen und Erläuterungen zur Verfügung. Zudem besteht die Möglichkeit, sich die Aufnahmen an den heimischen Tierarzt schicken zu lassen, um eine weitere, geschätzte Meinung einholen zu können. Diese Untersuchung findet relativ zeitnah vor der Auktion statt, um der Gefahr von Verletzungen oder Veränderungen vom Zeitpunkt der Untersuchung bis zur Auktion vorzubeugen. Sicherlich lässt sich auch in diesem Zeitraum – so kurz er auch ausfallen mag – eine Veränderung des TÜV nicht ausschließen. Um neuen Verletzungen und Auffälligkeiten vorzubeugen, ist das Auktionsteam deshalb sehr genau und schaltet bei Auffälligkeiten jeglicher Art während der Auktionszeit sofort den Verbandstierarzt ein. Der Käufer kann sich also sicher sein, dass bis zur Versteigerung der Gesundheitszustand des Pferdes akribisch kontrolliert wird und im Falle einer Verletzung o.ä. Konsequenzen gezogen werden, indem das Pferd von der Auktion ausgeschlossen wird.

Was ebenfalls nicht unterschätzt werden sollte, ist die hohe Vergleichbarkeit, wenn man als Käufer an eine Auktion herantritt. Man hat die Möglichkeit, Pferde verschiedenster Art auszuprobieren und vor Ort miteinander zu vergleichen. Zudem steht einem ein kompetentes Beratungsteam des Veranstalters zur Verfügung, welche sich im Vorfeld über die Interessen und Wünsche der Käuferschaft informieren und dazu (möglicherweise) passende Auktionspferde heraussuchen. Ist man also relativ flexibel und gefallen einem mehrere Pferde, so hat man eine recht hohe Chance, ein Pferd für einen relativ günstigen Preis zu ergattern. Häufig werden Auktionspferde als absolut überteuert dargestellt: Schaut man sich jedoch einmal die Ergebnislisten genau an wird einem auffallen, dass häufig auch absolute Käuferflauten herrschen und niemand bietet, trotz super ausgebildeter Reitpferde. Das Auktionsgeschäft ist rundum Ungewiss und genauso schnell wie ein Preis in die Höhe gehen kann, kann ein Preis für ein ebenso tolles Pferd beim Anfangsgebot verbleiben. Mit etwas Geduld und Geschick kann man also auch bei einer Auktion ein „Schnäppchen“ machen – vermutlich sogar eher, als bei einem Privatverkauf.

Die wohl am häufigsten zu vernehmenden Kritikpunkte an einer Auktion ist die Unpersönlichkeit und das Feeling eines „Massengeschäftes“. Anders als bei einem Privatverkauf gibt es bei einer Auktion nicht die Möglichkeit, das Pferd unzählige Male und in den verschiedensten Situationen auszuprobieren. Die Zeit ist begrenzt, um den Pferden so wenig Stress wie möglich zu bereiten und ebenso sind die „Probiermöglichkeiten“ auf die dafür vorgesehene Halle beschränkt. Ein Schnack mit dem Verkäufer während eines Proberittes ins Gelände ist in dieser Form also nicht möglich. Ebenso wird sich häufig Gedanken darüber gemacht, dass man bei einem Auktionskauf nur relativ überschaubare Informationen darüber hat, wo das Pferd herkommt, wie es vorher geritten und wie es gehalten wurde. Letztere Sorge kann man allerdings relativ schnell aus dem Weg räumen, denn auch dem Veranstalter ist daran gelegen, unter den Ausstellern ausschließlich seriöse und erfahrene Züchter und Händler zu führen. Was allerdings wirklich als ein nennenswerter Nachteil anzuführen ist sind die Kosten, welche aufgrund der Teilnahme an der Auktion pro verkauftem Pferd/Fohlen entstehen und welche immer der Käufer zu tragen hat. Zusätzlich zu dem Zuschlagspreis entstehen also noch einmal Kosten, welche man im Vorfeld im Blick haben sollte.

Sowohl die Vor-, als auch die Nachteile bestehen und einige sind auch – abhängig von dem individuellen Käufer – als „so oder so“ auszulegen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man sich selbst ganz eindeutig bewusst macht, was man möchte. Ist man der Typ Käufer, welcher viel Wert auf das Drumherum legt, viel Zeit zum Überlegen benötigt und das Pferd gerne in allen beliebigen Situationen erlebt haben möchte, um es bestmöglich kennen zu lernen, so wird das Auktionsgeschäft nicht das Richtige sein. Ist man jedoch vielleicht noch der etwas unsicherere Typ oder kauft aufgrund seines Berufes Pferde in höherer Anzahl, ist die enorme Selektion, die tierärztliche Absicherung und die Vielzahl der angebotenen top Pferde vermutlich genau das Richtige. Für die Unsicherheit, um mittels des kompetenten Beratungsteams an die Materie herangeführt zu werden oder aber als Viel-Käufer, welcher so deutlich Zeit spart und in kürzester Zeit die Möglichkeit bekommt, viele sehr gute Pferde zu kaufen.

Für die Verkäufer/ Ausstellerseite sieht das ganze etwas anders aus: Ihr Interesse besteht vorwiegend darin, dass Pferd/ Fohlen bestmöglich zu verkaufen. Bestmöglich heißt in erster Linie für einen möglichst hohen Geldbetrag, an zweiter Stelle ist dem Verkäufer natürlich auch daran gelegen, dass der Nachwuchskracher aus dem eigenen Stall an eine kompetente, vielleicht sogar namenhafte Person gerät, welcher auch in Zukunft für eine erfolgreiche Karriere des Pferdes sorgen kann. Damit wären wir auch schon bei dem wohl gravierendsten Vorteil für die Verkäuferseite. Wie ich bereits in einem der letzten Beiträge der Auktionsreihe ansprach, bietet eine Auktion dem Züchter/Aussteller die Möglichkeit, an eine hoch interessante Käuferschaft zu geraten. Hoch interessant heißt, dass die Wahrscheinlichkeit relativ hoch ist, dass Pferd an einen Ausbildungsstall, eine Hengstaufzucht oder einen erfolgreichen Reiter zu verkaufen, welche dem talentierten Pferd allesamt die Möglichkeiten einer Karriere im nationalen und internationalen Sport bieten können. Zudem zeichnet sich die Käuferschaft bei einer Auktion zum großen Teil dadurch aus, dass sie gewillt ist, für ein Pferd oder ein Fohlen eine hohe Summe auszugeben, ohne eine Sicherheit dafür zu haben, dass das Fohlen später auch einmal Talent im Sport aufweisen wird.

Für den Verkäufer ist die Auktion also eine Möglichkeit, mit seinem Pferd/Fohlen in kürzester Zeit mehrere namenhafte Käufer zu erreichen. Sicherlich besteht diese Möglichkeit auch fernab von dem Auktionsgeschäft – allerdings sollte man das weitreichende Netzwerk eines Auktionsveranstalters nicht unterschätzen, mit dem man als „kleiner“, privater Züchter kaum mithalten kann. Gleichsam ein Vor- und Nachteil ist zudem die Preisentwicklung: Hat man Glück, schießen sich mehrere Käufer auf das ausgestellte Pferd ein und bieten sich gegenseitig hoch, ohne dass sie regulär so viel Geld für das Pferd ausgegeben hätten. Sicherlich setzt man sich vor einer Auktion immer ein Limit, was man für das eine oder andere Pferd ausgeben möchte. So ein Auktionsgeschehen ist aber keinesfalls zu unterschätzen: Ist man erst einmal dem Rausch des Geschäftes verfallen und möchte man gegenüber dem Mitbieter das Rennen machen, hebt man später vielleicht doch einmal öfter die Hand, als man im Vorfeld eingeplant hatte. Andersherum kann es aber auch zu einer unverständlichen „Käuferflaute“ kommen und es bietet ohne ersichtlichen Grund niemand oder nur wenige. In den meisten Fällen hat das nicht einmal etwas mit dem Pferd/Fohlen zu tun. Stattdessen ist gerade für diese Katalognummer nicht die Nachfrage dar, interessierte Käufer haben bereits bei einem vorherig angebotenen Pferd den Zuschlag erhalten oder aber die Käufer haben das jeweilige Pferd erst als „Alternative“ auf dem Zettel und sie möchten ihr Geld noch beisammen halten für das etwas später im Katalog folgende Pferd. Die Unvorhersehbarkeit der Preisentwicklung ist also sowohl für die Käufer- als auch für die Verkäuferseite sowohl ein Vor- als auch ein Nachteil, je nachdem wie sich das Geschäft letztlich entwickelt.

Ein weiterer Vorteil ist zudem der relativ geringe Zeitaufwand und das geringe Maß an Organisation, welches bei einer Auktion anfällt. Das Auktionsteam übernimmt fast vollständig die Abwicklung des Verkaufes und zudem erspart man sich eine Menge Zeit, welche man daheim für Proberitte von interessierten Käufern hätte aufwenden müssen. Möglicherweise mehrere Male das Pferd für eine „Besichtigung“ herrichten, die unzähligen Fragen beantworten um dann im Nachgang eine Absage zu bekommen: Sicherlich macht man das irgendwo ein Stück weit gerne, um sein Pferd an den Mann zu bringen. Hat man allerdings mehrere Verkaufspferde, wird ein derartiges Geschäft häufig zu einem ziemlichen Zeitfresser. Bei einer Auktion hingegen wird der Aufwand übernommen, wodurch der Aussteller ungemein entlastet wird. Darüber hinaus gibt es abhängig vom jeweiligen Veranstalter häufig eine Auktionsregelung, nach der das Fohlen bis zur Übergabe in der Höhe vom Zuschlag versichert ist und auch die Rückabwicklung des Kaufvertrages würde weites gehend über den Veranstalter laufen.

Als Nachteil für den Aussteller könnte man die Ungewissheit nennen, wer letzten Endes den Zuschlag erteilt bekommt, also kurz: In wessen Eigentum das Pferd/Fohlen gehen würde. Weiterhin sollte man natürlich auch nicht das Bietrisiko unterschätzen, wenn man das Fohlen gewollt oder auch ungewollt zurückkauft und dadurch zur Entrichtung einer beachtlichen Auktionsgebühr verpflichtet wird. Ansonsten geht natürlich auch mit der Auktion ein gewisser Zeitaufwand einher, insbesondere für die Auswahl, der Videotermin, die Auktionstage selbst (beim Fohlen natürlich verpflichtend, beim Reitpferd kümmert sich das Auktionsteam die zwei Wochen um das Pferd).

Alles in allem ist das Auktionsgeschäft also eine spannende Sache, welche viele, viele, viele Vorteile und Nachteile birgt. Um sich selbst ein eigenes Meinungsbild dazu zu erstellen kommt man wohl nicht darum herum, sich selbst zu fragen, aus welcher Seite man an das Geschehen herantritt und was man sich für ein Kaufgeschehen bzgl. seines späteren Pferdes/Fohlens vorstellt.

1Z0A0465-2




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