Die Elite Sales International in Klein Roscharden
Die Elite Sales International in Klein Roscharden

Das geliebte, kleine neugeborene Fohlen über die Auktion vermarkten, in völliger Unwissenheit, welcher Käufer sich schlussendlich hinter dem Zuschlag verbirgt? Zugegebenermaßen war es für mich als junges Mädchen nicht unbedingt das erste was ich hören wollte, wenn ich an ein kleines Fohlen oder auch an ein Reitpferd aus der möglicherweise später einmal eigenen Zucht dachte. Viel lieber liest man doch die Worte „Platz vor Preis“ und „Nur in gute Hände zu verkaufen“, nicht wahr? Ansprüche, welche man zu jedem Zeitpunkt eines Verkaufes stellen sollte, welchen man aber keinesfalls immer die oberste Priorität einräumen kann. Was vielleicht im ersten Moment hart klingt, ist relativ logisch, wenn man sich einmal etwas näher mit der Zucht und den Hintergründen befasst.

Beschäftigt man sich einmal mit einer Familie, welche ihre Leidenschaft und ihr Herz privat der Zucht verschrieben haben, so sprechen wir hier gewissermaßen von dessen ersparten Geldern. Bei weitem ist die private, heimische Zucht – so gut sie auch sein mag – kein Geschäft, bei dem die Millionen gescheffelt werden. Stattdessen geht der Züchter mindestens 1,5 Jahre, wenn nicht sogar vier, fünf, sechs Jahre mit einer beachtlichen Summe in Vorleistung, ohne auch nur die geringste Sicherheit zu haben, dass er diese Kosten einmal wieder durch einen Verkauf zurückerstattet bekommen würde. Ein hohes finanzielles Risiko also, welches nicht selten vom ersparten Privatvermögen der Familie getragen wird. Aus diesem Grund ist ein Züchter ein großes Stück darauf angewiesen, dass das Zuchtprojekt im Laufe der Zeit für eine Deckung der vorgestreckten Kosten sorgt. Die Auktion ist dabei eine Vermarktungsform, welche eine Käuferschaft mitbringt, welche bereit ist, für ein hochinteressant gezogenes Fohlen eine kostendeckende Summe zu zahlen. Hat man also das große Los gezogen und erlangt eine Zusage für eine Auktion, so geht damit die Möglichkeit einher, die immensen, bis dahin angefallenen Kosten wieder einzuholen. Hinzukommt, dass der Sportpferdezüchter mit seinem Zuchtprojekt immer auch ein Ziel verfolgt, verknüpft mit dem Wunsch, dass das neugeborene Pferd, in welches man bereits Monate zuvor unheimlich viele Gedanken und Zeit investiert hat, einmal erfolgreich im hohen Sport laufen wird. Sicherlich kann man sich selbst auf eigene Faust daran machen, internationale Reiter oder auch Hengstaufzüchter und Deckstationen anzuschreiben und das eigene Fohlen anzupreisen. Möglicherweise hat man sogar Glück und erreicht mit einem guten Fohlen jemanden, welcher ernsthaftes Interesse zeigt und das Fohlen schlussendlich kauft. Im Normalfall jedoch hat man als „kleiner“ Züchter nicht die Kontakte und die Reichweite, um Kaufinteressenten aus der gewünschten Branche so ohne weiteres zu erreichen. Die Auktionen sind also für Züchter eine Möglichkeit, um mehrere Kaufinteressenten auf einmal anzusprechen, welche dem Fohlen eine vielversprechende Zukunft ermöglichen können und gleichermaßen bereit sind, eine kostendeckende – und eventuell sogar darüber hinausgehende Summe – für ein frischgeborenes, ungetüvtes Fohlen zu bezahlen, bei dem keinesfalls eine Sicherheit besteht, dass es einmal die nötigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sportkarriere mitbringen wird.

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Sicherlich trübt den ein oder anderen Züchter, welcher seine Fohlen mit viel Herz und Leidenschaft groß zieht, den Gedanken, sein Fohlen ins vollends Ungewisse zu versteigern. Man darf jedoch nicht vergessen, dass die Verbände und Veranstalter ebenfalls interessiert daran sind, für die stark selektierten und hoch qualitativen Fohlen eine attraktive, interessante Käuferschaft aufzustellen. Bietet man sein Fohlen also zur Versteigerung an, so besteht zumindest die hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich unter dem Bieter letztlich jemand verbirgt, welcher eine gewisse Erfahrung und Professionalität mitbringt, um dem Fohlen eine vielversprechende Zukunft zu bieten. Sicherlich kann dies keinesfalls garantiert werden, aber dennoch zeigt die Vergangenheit, dass sich an das Auktionsgeschäft vor allem interessante Sportler, Aufzüchter und Deckstationen wagen, welche langjährige Erfahrung im Geschäft haben und dem Fohlen eine professionelle Aufzucht bieten.

Es mag also sicher für den einen oder anderen etwas befremdlich erscheinen, sein Fohlen zur Versteigerung anzubieten und damit für den  Markt ohne jegliche Kontrolle frei zu geben. Es gibt jedoch gute Gründe dafür und letztendlich ist es ein wunderbarer Erfolg, wenn man eine Zulassung für eine Auktion erteilt bekommt. Eine Zulassung ist zwar kein Garant dafür, dass das Fohlen schlussendlich für eine hohe Summe an einen hochinteressanten Käufer geht, aber man hat mit der Zulassung eine Eintrittskarte bekommen zu einer stark beworbenen Veranstaltung, bei denen wenige, hoch selektierte und akribisch begutachtete Fohlen zum Verkauf angeboten werden.




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