Meine Hengstwahl für Wonne: Comme il Faut! Im kommenden Jahr erwarten wir hoffentlich ein putzmunteres Fohlen von diesem fantastischen Hengst. Doch wieso genau dieser Hengst? Gerade für Wonne ist das eine tolle Wahl, denn der Hengst könnte viel ausgleichen, was bei Wonne vielleicht nicht ganz so ideal ist.

Bevor man sich einen Hengst für seine Stute aussucht, sollte man kritisch und realistisch an die Sache herangehen: was ist gut an meiner Stute und wo benötigt sie eventuell einen Ausgleich? Der kritische Blick auf das eigene Pferd ist schwierig, betrachtet man doch (meist) sein Pferd mit einem liebevollen Auge und findet es in jeder Hinsicht wunderschön und fantastisch. Wonne ist für mich natürlich perfekt wie sie ist, dennoch gibt es den ein oder anderen Punkt, den ihr Nachwuchs vielleicht nicht mit auf den Weg nehmen müsste – und dafür kann man sich einen Hengst aussuchen, der genau die Stärken hat, die die Schwächen der Stute ausgleichen (könnten).

Guckt man sich Wonne an, hat mein extrem langes, sehr kräftiges Pferd. Sie hat keine schwungvollen Gänge, besticht zwar mit enormen Vermögen am Sprung, hat allerdings leider einen langsamen Bewegungsablauf und eine etwas fragwürdige Sprungtechnik. Durch ihren eher ruhigen Charakter konnte ich also auf einen spritzigen Hengst zugreifen, der auf einer „kribbeligen“ Stute vielleicht nicht die idealste Wahl gewesen wäre. So entschied ich mich für Comme il Faut, der aktuell seit mehreren Jahren sehr erfolgreich von Marcus Ehning im ganz großen Sport vorgestellt wird – auch wenn dieser im Bereich „Bewegung“ auch nicht mit Perfektion punktet. Den Züchtern wird dazu geraten, ihn mit einer Stute anzupaaren, die korrekt im Fundament und in Bewegung ist. Wonne hat ein korrektes (und vor allem sehr starkes) Fundament, allerdings ist sie eben in punkto Bewegung kein „Lampenaustreter“. Sie läuft korrekt im Takt, jedoch bringt sie keinen Schwung mit – eine große Galoppade, die allerdings eher abgehackt als schwungvoll ist.

Comme il faut ist ein 2005 geborener Brauner Hengst von Cornet Obolensky (Züchter ist Ludger Beerbaum). Liest sich sein Stammbaum wie das Who is Who der hochkarätigen Springpferde-Vererber, so sind es jedoch die Stuten, die in seinem Pedigree besondere Aufmerksamkeit verdienen. Rabanna und Holivea waren selbst in schweren Springen platziert, Ratina Z und Heureka Z waren zu ihrer Zeit vermutlich die weltbesten Sportstuten.

Mich hat vor allem die Leichtigkeit und positive Ausstrahlung von Comme il faut im Parcours von Anfang an gefesselt. Wie locker Marcus Ehning und er gemeinsam die anspruchsvollsten Prüfungen und Stechen zu meistern scheinen ist für mich immer wieder auf’s Neue faszinierend.

Im vergangenen Jahr (2017) konnte er mit Doppelnullrunden in Nationenpreisen glänzen, entschied mehrere große Preise für sich und erreichte mehrmals Top Platzierungen in der Global Champions Tour und Weltcup Springen. Er zählt zum Championatskader 2018, wo er nach seiner kurzen Decksaison – er steht den Züchtern für circa drei Monate am Anfang des Jahres zur Verfügung – nun wieder im Sport sein Können unter Beweis stellt und gerade am vergangenen Wochenende mit Marcus Ehning bei den Stephex Masters ordentlich abräumte.

Ich selbst kenne mittlerweile den ein oder anderen Comme il faut-Nachkommen und bin begeistert von der durch und durch positiven Vererbung des Vaters. Schaut man sich die folgende Übersicht an (Quelle: Holsteiner Verband), so wird deutlich, dass die Nachkommen genau dorthingehend eine Tendenz haben, wo Wonne eher zur anderen Richtung tendiert:

 

 

Der Hengst ist zugelassen für Westfalen, Oldenburg international, Holstein, Hannover und KWPN – in welche Richtung es genau bei meinem Fohlen gehen wird weiß ich noch nicht, Wonne ist als Holsteiner Stute im Hauptstutbuch der Holsteiner, jedoch ist sie auch gleichermaßen 2016 bei den Hannoveranern aufgenommen worden. Ich würde mich allerdings natürlich über den Holsteiner Brand freuen, auch wenn der Brand am Ende des Tages nicht über Erfolg oder Niederlage entscheidet. Was mich auch sehr freut, ist dass Comme il faut auf das Warmblood Fragile Foal Syndrom getestet worden ist und ein negatives Testergebnis aufweist, sprich nicht die ursächliche Mutation für das WFFS im LH1-Gen in sich trägt.

Bei der Decktaxe musste ich ehrlich gesagt ein wenig schlucken – doch nachdem ich mit Cosma ein tolles Fohlen gezogen hatte, wollte ich mich nun an einen bekannteren Hengst wagen, der dementsprechend auch kostspieliger in punkto Decktaxe ist. Das habe ich mich beim ersten Fohlen ehrlich gesagt noch nicht getraut, weil ich erst einmal wissen wollte, wie das alles funktioniert. Da wollte ich auf Nummer sicher gehen, nicht zu viel investieren und eben „einfach mal gucken“. Bei ihm musste ich nun deutlich mehr investieren als bei meinem ersten Zuchtprojekt, denn die erste Decktaxe liegt bei 500 Euro (bei Bedeckung) und bei Trächtigkeit der Stute fallen noch einmal 1.500 Euro an, die 6 Wochen nach der Besamung fällig sind.

Ich freue mich unheimlich doll auf das Fohlen und habe in der Tat noch keine Pläne für das kleine heranwachsende Pferd. Gerade bei den jungen Pferden kann so viel passieren, sodass ich aktuell noch nicht sagen kann, ob ich es verkaufen oder behalten möchte. Das werden wir alles sehen, wenn es so weit ist – jetzt ist erst einmal wichtig, dass 2019 ein gesundes Fohlen das Licht der Welt erblickt.