…sollten einige Reiter. Das ist keine neue Entdeckung, viel mehr ist diese Erkenntnis zum traurigen Alltag in unserer sportlichen Szene geworden.

Ein sehr guter, sachlicher Beitrag, der die einzelnen Reiter anonym „an den Pranger stellt“ und nicht den kompletten Reitsport oder eine einzelne Veranstaltung. Ich selbst bin mit Sicherheit niemand, der alles mit einem Halsring lösen möchte, per se Sperrriemen, Gerte und Sporen verteufelt und mir ist auch bewusst, dass man mit einem Kuss auf die Nase keine Goldmedaille gewinnt. Doch am Ende des Tages ist aus unserem sehr schönen Sport etwas teilweise Erschreckendes geworden. Das fängt bei den Trainingsmethoden an und hört bei Doping oder „angepasster“ Ausrüstung auf. Wir betreiben hier einen Sport mit Lebewesen, die Gefühle haben und denen wir dankbar sein können, dass wir sie reiten dürfen. Ich verstehe den Ehrgeiz der Menschen, ich selbst bin auch ehrgeizig. Doch ich frage mich, wieso man billigend in Kauf nimmt, dem Pferd ein Unwohlsein zuzufügen, um sich dann am Ende mit einem Erfolg brüsten zu können, der durch den Weg eigentlich gar kein richtiger ist, oder zumindest einen faden Beigeschmack haben müsste. Müsste.

Oft hört man von solchen Reitern oder ihren Anhängern, man solle doch zurück in seine Wendy-Welt gehen, sobald man etwas kritisch hinterfragt, die zu enge Halshaltung anspricht oder die zu fest gezogene Trense anspricht. Es wird in alle Richtungen pauschalisiert, entweder man gehört zur Reitelite und geht dann eben über Leichen – gerne auch damit gerechtfertigt, dass das Pferd 23 Stunden am Tag nicht geritten wird und diese eine Stunde dann „eben mal mitmachen kann“ – oder man gehört zu den Wendy-Reitern, die sowieso keine Ahnung vom Reitsport haben.

Wie man in dem Video sehr deutlich sehen kann gibt es sehr wohl eine Elite, die ihre Pferde ohne wildes Gezerre korrekt reiten. Wer sich in der Szene auskennt hat auch mit Leichtigkeit das positiv hervorgehobene Beispiel in diesem Video erkannt: es handelt sich um die dänische Reiterin Cathrine Dufour. Um weitere gute Beispiele zu nennen: der Schwede Carl Hedin, der Spanier Juan Matute und der Deutsche Sönke Rothenberger.

Ob ich glaube, dass die nicht auch mal zupacken? Klar tun sie das. Doch es ist auffällig, dass diese Reiter ihre Pferde auf dem Abreiteplatz ebenso fair reiten, wie in der Prüfung und eine inkorrekte Halshaltung nicht brauchen, zumindest nicht aktiv, denn natürlich muss auch hier klar unterschieden werden zwischen einem aktiv eng gerittenem Pferd und einem Pferd, welches mal hinter die Senkrechte rutscht. Das sind zwei Paar Schuhe, zumal man sich hier auch immer das gesamte Pferd angucken muss, eine Nase hinter der Senkrechten bedeutet nicht automatisch, dass das Pferd komplett verkrampft ist, ein Blick auf Rücken, Schweif, Hinterhand – kurzum: den ganzen Körper – reicht aus um zu sehen, ob das Pferd gewollt und mit Kraft falsch geritten wird. Es ist natürlich immer einfach, auf Reiter herablassend zu blicken, die nicht zur internationalen Weltspitze gehören. Die wissen schließlich nicht, wovon sie reden, haben keine Ahnung, sollen zurück auf ihren Ponyhof gehen und ohne Sattel und mit Halsring reiten – so das Klischee. Die Arroganz vieler Reiter ist erschreckend und Turniererfolge werden automatisch mit gutem Reiten gleichgesetzt. Wer nicht große Schleifen an der Wand hängen hat darf automatisch nicht mitreden, denn er gehört nicht dazu und kann sich kein Urteil erlauben. Die Frage ist nur: will man dazu gehören, wenn das der Preis ist?

Ein unangenehmes Thema, über das nicht gerne ein Wort verloren wird – man begibt sich schließlich nicht gerne in die Schusslinie und wer mag schon gerne meckernde Menschen? Es bleibt einem eigentlich nur eines übrig: darüber nachzudenken, warum man diesen Sport ursprünglich für sich entdeckt hat und dann überlegen, ob das erstens die richtigen und fairen Motive für alle Beteiligten sind und zweitens ob man auf den heute eingeschlagenen Weg stolz ist. Behandle andere stets so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für unsere vierbeinigen Gefährten.