IMG_3725Am ersten Dezemberwochenende waren Marie und Civa zusammen unterwegs – da Marie den Verein nun wechseln möchte, entschieden wir kurzerhand, dass sie die Vereinsmeisterschaften (bestehend aus zwei A Springen für die große Tour auf WBO Basis) ihres aktuellen Vereins noch ein letztes Mal mitreiten könne. Damit die beiden auch anständig durch den Parcours kommen würden, trat ich die vergangene Zeit etwas kürzer und so konnten sie sich etwas aufeinander einspielen, Marie reitet Civa nämlich erst seit Mitte September.

Früh morgens fuhr ich von Laura in Südniedersachsen los, die ich besucht hatte, und fuhr direkt in den Stall, wo ich mich mit Marie traf. Gemeinsam holten wir Civa von der Weide, ließen sie noch ein paar Runden in der Halle laufen und quatschten dabei, bis Marie dann Civa einflechten wollte. Für Civa ist es ganz gut, vor dem Turnier noch etwas „zu tun“, denn sie hat so viel Energie, sodass diese Variante für alle Beteiligten die angenehmste ist. Gerade bei der Turniervorbereitung fällt immer wieder auf, wie unterschiedlich die Pferde alle sind.

Am Turnierplatz angekommen konnten wir auch schon direkt fertig machen, sodass Civa nicht unnötig lange herumstehen musste. In der Abreitehalle zeigte sich Civa vorbildlich, war ruhig, gelassen – ein ziemlicher Kontrast zu früher und unserer Anfangszeit. Als kleine Randbemerkung kann man dazu sagen, dass auch unser Springtraining mittlerweile ein ganz anderes Level erreicht hat, jetzt kann man mit Civa ganz ruhig und entspannt die Sprünge überwinden. Es stößt dem ein oder anderen sauer auf, dass ich offen sage, dass Civa am Anfang als ich sie bekam nicht sonderlich rittig war, belegen das mit ihren zwei M** Platzierungen und dass sie eben einen Zug zum Sprung hat aber ja rittig sein muss, anders wäre das ja gar nicht möglich. Dies stimmt so nicht, mir ist bewusst, dass ein Pferd, welches hauptsächlich gesprungen wird, nicht unbedingt die dressurmäßige Ausbildung eines Dressurpferdes genossen hat, jedoch sollten einige Dinge auch bei einem Springpferd sitzen, vor allem bei einem, welches bis zu dieser Klasse unterwegs gewesen ist. Dies ist nicht der Fall gewesen und mit dieser Meinung stehe ich auch nicht alleine dar – auch als Amateur sehe und spüre ich den Unterschied zu einem solide ausgebildeten Reitpferd und einem, dem die ein oder andere Basis fehlt. Bestätigt haben mich meine Reitlehrer, die selbst bis zur schwersten Klasse unterwegs waren. Übergänge standen auf dem Plan, eine konstante Anlehnung war gewünscht und das unkontrollierte Anziehen zum Sprung sollte aufhören. Mir geht es hier nicht um das Schlecht-Machen einer Person, denn anscheinend hat es ja vorher bei den beiden funktioniert. Ich kann nur von dem berichten, was ich selber von Anfang an erlebt habe, was mir zudem von vielen Menschen aus Civas altem Umfeld erzählt worden ist und wie wir uns seitdem entwickelt haben. Ich persönlich stelle andere Anforderungen und möchte nicht, dass sie sich immer überspringt und möchte auch ein ruhiges, gelassenes Pferd unter mir haben, welches auf einem normalem, „weichem“ Gebiss springt (kleine Anmerkung: früher wurde sie nicht mit einem einfach gebrochenem Kunststoff-Gebiss wie jetzt geritten, sondern mit einem ungebrochenem Pelham mit Sperrriemen. Das möchte ich nicht verurteilen, ich selbst mag so aber einfach nicht reiten, wenn ich es umgehen kann). Da ich ein Amateur bin und kein Profi hat diese Entwicklung nun selbst mit Unterstützung ein Jahr lang gedauert, sodass ich die letzte Turniersaison nicht wirklich reiten konnte und vor allem nicht wollte.

Die erste Prüfung war sehr gut, die beiden lieferten eine solide und entspannte Runde ab und überzeugten im Stilspringen der Klasse A* die Richter und erhielten eine 7,5 – welches auch den Sieg bedeutete. Für uns drei ist dies ein riesiger Erfolg, denn wir haben in den vergangenen zweieinhalb Monaten bewiesen, dass wir als Team super gut funktionieren und die letzte Zeit für uns alle ideal gelaufen ist. Civa zeigte sich wie schon gesagt super ruhig und gelassen und Maries schöner Sitz machte das Bild dann perfekt: gleichmäßig galoppierten die beiden durch den Parcours und ich muss zugeben, dass ich wirklich stolz war und mich riesig für und über die beiden gefreut habe.

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Die zweite Prüfung war direkt im Anschluss, beim Abspringen war Civa immer noch gelassen, doch beim Betreten der Prüfungshalle merkte man ihr die Nervosität doch etwas an. Sie war minimal hektischer, als in der ersten Prüfung, erschrak einmal kurz, wovor wissen nicht so ganz, und leider fiel die Stange des letzten Sprungs, was vor allem daran lag, dass sie sich wieder stark machte. Dadurch kamen die beiden nicht ins Stechen, dennoch war der Turniertag für uns alle richtig gut. Während Marie noch kurz abwartete, ob sie noch platziert ist – denn wenn kaum Leute ins Stechen gekommen wären, wäre die Chance durchaus da gewesen – und sich ein wenig aufwärmte, ging ich mit meiner Kiwi auf dem Hof spazieren und war ganz selig. Leider reichte es nicht mehr für eine zweite Schleife, doch das machte uns gar nichts. Zufrieden luden wir Civa auf und fuhren nach Hause.

Da der ein oder andere es bestimmt noch nicht mitbekommen hat, erkläre ich euch noch einmal kurz, wer Marie ist: Marie und ich kennen uns seit einer Weile und durch eine Aneinanderreihung von diversen Ereignissen bot ich ihr an, meine Pferde ein wenig mit zu reiten. Da wir uns so gut verstanden wollte ich ihr die Möglichkeit geben, an den Vereinsmeisterschaften mit Civa teil zu nehmen. Sie selbst ist keine Bereiterin sondern Studentin, reitet aber dennoch richtig gut. Sie reitet abends wenn sie Lust hat, da ich meistens morgens reite – man kann also sagen, dass sie ein Art Reitbeteiligung ist, nur dass wir das alles sehr viel lockerer und spontaner handhaben.

Ich freu mich riesig über den Turniertag, den Erfolg, unser „Team“ und dass wir uns aufrichtig und ohne Neid füreinander freuen können. Das ist keine Selbstverständlichkeit und ich weiß das wirklich sehr zu schätzen.




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