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Der Ausfall von Wonne ist mir näher gegangen, als ich es mir selbst eingestehen wollte. Nach ihrer Verletzung 2014 war ich nämlich der festen Überzeugung, sie nie wieder reiten zu können. Dann kam die Nachricht, dass ich es doch wieder könnte, wir fingen mit dem Aufbautraining an und plötzlich war da etwas Neues, vorher noch nie da gewesenes und ich war geschockt. Ich betrachte es nüchtern und realistisch, ich kann nichts dafür, wenn sie sich auf der Weide am Bein verletzt. Dennoch, ein kleiner Teil von mir hat mir die ganze Zeit ins Ohr geflüstert, dass sie sich nicht auf der Weide verletzt hätte, wenn ich sie nicht wieder reingeholt hätte. Da habe ich natürlich recht, doch sie hätte sich genau so ein Hämatom als tragende Stute zuziehen können, auf einer anderen Weide.

Als noch nicht ganz klar war, was sie hat, habe ich innerlich mit dem Thema abgeschlossen, hab ganz abgeklärt entschieden, dass sie dann eben wieder raus geht und es mit uns dann nichts wird, es ein Fehlversuch war, wir gescheitert sind. Ich war nicht traurig, ich war ganz gefasst. Dachte ich zumindest. Denn jetzt wo ich weiß, dass es alles nur halb so wild ist, zwar langwierig, aber eben nur eine blöde Stelle und ein dummer Zufall, bin ich wieder sehr zuversichtlich, motiviert und glücklich. Wonne bedeutet mir unheimlich viel und ich merke, dass ich mich manchmal gar nicht traue, das so richtig zuzulassen, weil ich so große Angst habe, sie wieder zu verlieren. Als ich damals dachte, dass sie nie wieder zu mir in den Stall kommen würde, ist für mich eine Welt zusammen gebrochen, das klingt jetzt sehr dramatisch, aber zu wissen, dass ich sie nicht mehr jeden Tag sehen würde, dass sie und ich nicht mehr so sein würden, wie wir es einmal waren, hat mich wirklich unendlich traurig gemacht.

Durch das dicke Bein und die anfängliche Panik, dass es sich um die Sehne handeln könnte, habe ich mich so zurückversetzt gefühlt in die damalige Situation. Ich habe tatsächlich viel geweint und jeder Tierarzttermin hat mir Unbehagen bereitet, denn auch nach dem Schallen war erst einmal noch nicht ganz klar, was es ist, nur, dass es im Bereich der tiefen Beugesehne „schwammig“ sei, die Sehnen aber alle intakt wären. Erst, seit die erste Sitzung bei der Blutegeltherapie angeschlagen hat, atme ich auf und merke, wie sehr mich das belastet hat, auch wenn ich das vor mir selbst ganz gut versteckt habe. Unterbewusst hat das doch schon sehr auf meinem Herzen gedrückt.

Umso größer ist jetzt natürlich die Freude, dass Wonne auch jetzt noch lahmfrei läuft, das Bein endlich dünner wird und wir noch einmal Blutegel setzen werden und sich damit dann hoffentlich das Hämatom endlich erledigt hat. Auf die Weide darf sie bereits wieder und letztens hatte ich sie das erste Mal mit den anderen beiden laufen. Es geht also bergauf und bald können wir dann auch wieder trainieren – was ihr gut tun wird, denn langsam aber sicher merkt man ihr die Langeweile an.

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