Hat sich die Freude über die hoffentlich gelungenen Geburten der diesjährigen Fohlen etwas gelegt und wurden die wichtigsten Entscheidungen für den Werdegang der Nachwuchspferde getroffen kehrt etwas Ruhe im Hause der Züchter ein. Mit der einen Hälfte seines Herzens noch damit beschäftigt, den diesjährig geborenen Fohlen die bestmöglichen Bedingungen einer Aufzucht zu ermöglichen, den Stuten für die kommende Saison genügend Erholung gepaart mit einer gesunden Portion Fitness zu gewährleisten, wendet sich die andere Seite des Züchterherzens zu diesem Zeitpunkt im Jahr meist schon der kommenden Fohlensaison zu. Während bei dem einen die freudige Erwartung hinsichtlich der kommenden Geburten des Jahres 2018 vorherrscht, wird man leider immer wieder auch einige enttäuschte Züchter antreffen. Denn so sehr man sich auch bemüht einen guten Grundstock für das nächste Zuchtjahr zu legen: Wenn die Stute nicht aufnimmt, wird es kein Fohlen geben – egal, wie sehr man es sich wünscht.

IMG_6636

Manch einer geht ins Casino, der Nächste spielt mit dem Feuer: Ein gewisses Maß an Risiko findet man in fast jedem Bereich seines Lebens. Ganz genau so ist es auch mit dem Züchten: Für eine erfolgreiche Zucht (und damit meine ich nicht den erzielten Verkaufspreis für die Fohlen, sondern die Summe der schönen Momente, die man durch sein Hobby erleben konnte) bedarf es zunächst erst einmal einer großen Portion Glück, vieler Hormone, einer damit einhergehenden guten Rosse, hochqualitativen Samen und des perfekten Zeitpunktes um eine Stute tragend zu bekommen. Und auch wenn man noch so für perfekte Haltungsbedingungen und die damit einhergehende Zufriedenheit der Stute sorgt, den besten Tierarzt im Umkreis engagiert, vermutlich sogar noch zur eigenen Besamungspraxis der Deckstationen fährt und fieberhaft dem perfekten Moment entgegen tritt, ist noch lange nicht gesagt, dass unsere lieben Ladys auch tragend werden. Man spielt also auch beim Züchten gewissermaßen mit dem Feuer oder besser gesagt mit dem Geld. Denn anders als in der früheren Geschichte, bei der die Störche die Kinder bringen, flattern die Samen nicht kostenslos und „for free“ ins Haus des Züchters. Züchten ist schon lange kein reines Hobby mehr, bzw. war es vermutlich auch noch nie – genau wie beim Fußball und beim Reitsport steht hinter der Leidenschaft des Einzelnen ein riesiger Apparat, ein Wirtschaftszeig, bei dem nicht wenige Massen an Geld fließen. Was ich damit sagen will: Auch beim Züchten bedarf es eines funktionierenden Kreislaufes an Gütern und Dienstleistung, um Abläufe wie das Besamen/ Brennen/ Vermarkten/ Aufziehen möglich zu machen und das einfachste, unkomplizierteste und beliebteste Verkehrsmittel ist und bleibt eben einfach das Geld. Bei dem hier recht niedlich klingenden Risiko, ob eine Stute aufnimmt oder eben nicht, liegen zwischen den genannten Alternativen also mal eben mehrere Tausend Euro. Sicherlich ist diese Summe X abhängig von dem gewählten Hengst, der Vielzahl der Untersuchungen und den Konditionen, zu denen der Tierarzt seine Arbeit antritt. Dennoch reicht ein kurzer Blick in die Hengstkataloge der Deckstationen, um eine ungefähre Vorstellung von der auf dem Spiel stehenden Summe zu bekommen. Bereits die jungen Hengste, welche ihr erstes Jahr den Deckeinsatz antreten, produzieren Samen für einen netten Einstiegspreis von um die 800€, nach oben hin sind mit Vitalis und Co. kaum Grenzen gesetzt. Viel wert ist es, wenn die Frischsamen des Hengstes für eine einmalige Gebühr angeboten werden und man ohne eine weitere Zahlung beliebig oft Samen nachbestellen kann – vorausgesetzt natürlich der Hengst hat genügend Samen für die bestehende Nachfrage produziert. Hat man sich jedoch für einen Hengst entschieden, bei dem man für jede weitere Portion erneut die volle Summe zahlen muss – wie es beim TG-Sperma bei den meisten Deckstationen der Fall ist-, kann einem bei einer nicht aufnehmenden Stute nach der vierten vergeblichen Besamung schon mal ganz anders im Magen werden. Zusätzlich gibt es bei der Hengstauswahl die Möglichkeit auf die Aufteilung der Decktaxe zu achten : Nicht bei allen Hengsten, aber doch recht weit verbreitet, zahlt man lediglich einen Anteil des Vollpreises für den Samen, der restliche Teil der Decktaxe wird dann erst bei erfolgreicher Trächtigkeit fällig. Ist man im Besitz einer Stute, bei der sich die Besamung schon die vorherigen Jahre als schwierig gestaltete, kann so eine Aufteilung schon mal eine gute Option sein. Es gibt also verschiedene Rädchen, an denen man drehen kann, um das Risiko so gering wie möglich zu halten oder „alles auf eine Karte zu setzen“.Gehört ein Züchter zu der risikofreudigeren Sorte und wählt einen der teuersten Hengste, ohne Decktaxenaufsplittung, mit der einmaligen Chance zur Trächtigkeit ist allerdings fraglich, wie viele negative Ergebnisse er verträgt und wie lange seine Risikofreude trotz allem stand hält. Nicht selten siegt dann aber doch irgendwann bei den meisten das Gewissen und man wechselt im Nachgang zu einem finanziell weniger belastenden Hengst, sobald Schwierigkeiten bei der Aufnahme der Stute sichtbar werden.

IMG_6260

Darüber hinaus kommt die Stute ca. alle drei Wochen in Rosse, je nachdem wann man also mit den Besamungen anfängt und wie lange man die Hoffnung einer tragenden Stute nicht aufgibt, hat man in wenigen Monaten eine ganze Stange an Tierarztbesuchen auf dem Zettel. Hinzu kommt, dass man nicht immer direkt vom Schlimmsten ausgeht – lässt man seine Stute also nach den vergangenen Tagen untersuchen und stellt sich heraus, dass sie leider nicht aufgenommen hat, hat man nicht unbedingt direkt die nächste Packung an Frischsamen des Hengstes parat. Mindestens eine weitere Untersuchung in der Rosse kommt also noch hinzu, bei der es dann zur erneuten Besamung kommt. In der Praxis bleibt es aber meist auch nicht bei diesen zwei Terminen: Die Stuten sind individuell, haben alle ihren eigenen Biorythmus und die Follikel entwickeln sich dementsprechend unterschiedlich schnell und gut, sodass manchmal nicht nur eine Portion Samen ausreicht, um den „perfekten“ Moment zu erwischen. Anders, aber nicht weniger teuer gestaltet sich dagegen die Besamung mit TG-Sperma: Zwar hat man bei dieser Vorgehensweise nicht die Masse an Samen und Tierarztbesuchen, stattdessen muss man seine Stute aber zu einer entsprechend ausgerüsteten und von der Deckstation anerkannten Tierklinik fahren. Rechnet man dabei die Unterstell- und vor allem Fahrtkosten (zu den für uns meist recht weit weg gelegenen Besamungsstationen) zusammen, sieht der Kontostand nicht besser aus als bei der Besamung mit Frischsamen.

Möchte man züchten muss man hinsichtlich der recht hohen Geldsummen ziemlich zügig etwas „abgeklärt“ werden, andernfalls kann das Hobby schnell mal zu einem sehr schmerzhaften Unterfangen werden, wenn man bei jedem Tierarztbesuch in Gedanken wehmütig den Kontostand analysiert. Generell ist eine gewisse Resistenz nicht verkehrt, spätestens wenn die Stuten Mitten an Ostersonntag, am 1.Mai oder standardgemäß am Sonntag reif für die Besamung sind und man ordentlich Portogebühren für eine schnelle Lieferung der Samen zahlt oder womöglich noch selbst zu der 350 km weit entfernten Deckstation fährt, weil kein Kurierdienst mehr offen hat. Sitzt man also Feiertags mit einer Packung Frischsamen im warmen Auto irgendwo auf der Autobahn, in Mitten eines riesigen Staus braucht man schon ein wenig schwarzen Humor, um bei Laune zu bleiben.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in den Finanzplan des schönen Hobbys Zucht. Er reicht jedoch aus, vielleicht den ein oder anderen enttäuschten Blick eines Züchters allein aus finanzieller Sicht zu erläutern. Hinzu kommt natürlich – das steht hier außer Frage – die persönliche Enttäuschung: Man macht sich ein knappes Jahr Gedanken über einen möglichen Hengst, fährt ihn sich auf Hengstschauen angucken, stürzt sich mit seiner ganzen Leidenschaft darauf, die Zufriedenheit der Stuten zu fördern, bemüht sich um die Samen, den Tierarzt, investiert Zeit – immer mit der freudigen Erwartung und der Motivation im Hinterkopf, nächstes Jahr ein tolles Fohlen mit auf die Welt bringen zu dürfen. In dem Moment der Hiopsbotschaft schießen einem dann nicht wenige Begebenheiten durch den Kopf, die man sich schlicht und ergreifend „hätte ersparen können“ und unwiderruflich für die Katz waren. Keinesfalls die Bemühungen rund um die Stute, die sich so oder so grundsätzlich immer lohnen. Sondern solche wie die Ostertage, die andere mit der Eiersuche verbracht haben, während man selbst den 350 km weiten Weg zur Deckstation Schockemöhle auf sich nahm, um die Stute zur TG-Besamung zu bringen, um sie dann – keine zwei Tage später – wieder dort abzuholen.

Warum eine Stute nicht aufnimmt kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Auslöser dafür kann man zum Teil abmildern und verhindern, letzendlich bleibt die Stute jedoch immer ein Lebewesen mit ihrem eigenen Willen, ihrem eigenen Biorythmus und wie die Natur es eben – Gott sei Dank – so will, ist nicht alles von uns beeinflussbar und veränderbar. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man das Unterfangen „Zucht“ bei seiner eigenen Stute ins Leben ruft. In der berechtigten Vorfreude auf sein – vielleicht sogar erstes, eigenes – Fohlen sind die leuchtenden Augen in der Erwartung auf das was kommt groß. So groß ist jedoch auch die Enttäuschung, wenn der Traum innerhalb weniger Minuten zumindest für das kommende Jahr endgültig zerplatzt. Vielleicht hift es dem ein oder anderen, wenn man sich bereits vorab mit dem immer bestehenden Risiko auseinandersetzt, sich die Möglichkeit der Nichtaufnahme regelmäßig vor Augen führt und mit sich selbst klärt, ob man dieses Risiko eingehen möchte. Die Enttäuschung wird in jedem Fall da sein, das ist keine Frage. Man kann es sich jedoch etwas leichter machen, in dem man sich nicht vollständig in seinen rein optimistischen – das Beste hoffenden Vorstellungen – verliert und sich stattdessen hin und wieder – ausgestattet mit einer gesunden Portion an Selbstdisziplin – mit den realistischen Gesichtspunkten einer erfolgreichen Besamung auseinandersetzt.




Translate »