1z0a2954„Was magst du lieber, Dressur oder Springen?“

„Springen!“

„Du musst aber trotzdem Dressur reiten, reit‘ doch mal eine Dressurprüfung!“

Diese Mini-Konversation habe ich das ein ums andere Mal mit einem meiner Leser gehabt, denn das Vorurteil hält sich hartnäckig, dass man bei Bevorzugung einer Sparte oder wenn man beispielsweise nur in Springprüfungen auf einem Turnier startet, die andere Sparte automatisch vernachlässigt. Für mich persönlich sieht das anders aus, denn ich bin zwar im Herzen ein Springreiter, doch erachte ich andere Sparten dennoch als sehr sinnvoll. Verschieden Ansätze liefern verschiedene Blickwinkel und so lassen sich Einzelteile zu einem ganzen Bild zusammensetzen. Genau so, wie ein Springreiter von der korrekten dressurmäßigen Gymnastizierung seines Pferdes profitiert, zieht auch der Dressurreiter positive Aspekte aus dem regelmäßigen Springtraining (und wenn es nur Stangen oder Cavalettis sind). Nicht nur, dass dadurch andere Muskelgruppen angesprochen werden, zusätzlich wird das Pferd auch mental gefordert und hat Abwechslung.

Es ist natürlich so, dass ein Springpferd in der dressurmäßigen Arbeit etwas anders läuft und trainiert wird, als ein Dressurpferd – genau so wie ein Dressurpferd auch anders in Springstunden unterwegs ist, als ein Springpferd, vor allem wenn man sich abseits der Klassen A und L bewegt. Spätestens dann wird eine andere Form des Trainings erforderlich, zum Beispiel ist bei einem Springpferd ein sauber gesprungener fliegender Wechsel sinnvoll, um nicht den gleichmäßigen Ablauf zu stören und dadurch die Distanz zu kaputt zu machen, allerdings braucht ein Springpferd im Wechsel nicht den Ausdruck, den man von einem Dressurpferd haben möchte. Die Lektionen sind wichtig, allerdings müssen sie nur sauber ausgeführt werden.

Am Ende des Tages hat man, vor allem in der Amateur-Sparte, mehr Freude im Alltag mit seinem Pferd, wenn man sich als Team regelmäßig Abwechslung und neue Anreize bietet – so wird es nie langweilig, man lernt neue Seiten an sich kennen und behält die Motivation und gute Laune bei. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich in der täglichen Dressurarbeit mindestens genau so viel Spaß habe, wie beim Springtraining, allerdings reite ich auf Turnieren ungern Dressurprüfungen. Erstens, weil ich kein Dressurpferd im Stall stehen habe – auch wenn viele der Meinung sind, dass Caesarion zum Beispiel richtig klasse läuft, doch es reicht nicht für die „höheren“ Klassen und A Dressuren finde ich auf Dauer gelinde gesagt langweilig – und zweitens, weil mir in Dressurprüfungen das Feuer fehlt und das Adrenalin, welches mich im Springen so antreibt. Ich kann verstehen, wenn einem Dressur Spaß macht, doch mir macht das freie Reiten daheim mehr Spaß, als eine Dressuraufgabe auf einem Turnier. Lehne ich die Dressurarbeit zu Hause deswegen ab? Im Gegenteil! Die meiste Zeit reite ich Kringel und Seitengänge. Doch die Dressur-Turnierwelt wird denke ich niemals meine sein, zumindest nicht momentan. Vielleicht sehe ich das in ein paar Jahren anders.




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