Wenn ich mir meine Fotos so ansehe, dann fällt mir eine Sache ganz schnell auf: ich habe nicht ganz so viel Spannung im Oberkörper, wie ich gerne hätte. Ich falle gerne mal ein wenig nach vorne, bin nicht so stabil und gleichzeitig locker wie ich es sein müsste und vor allem möchte, um meinen eigenen Anforderungen gerecht zu werden. Ich bin immer gewillt, alles für mein Pferd zu tun, ihr alles zu ermöglichen, sie bekommt Physiotherapie, geht regelmäßig zum Arzt, hat Kühlgamaschen, geht unter’s Solarium – kurzum: es werden keine Kosten und Mühen gescheut, damit Civa sich bester Gesundheit erfreut. Doch was ist eigentlich mit mir? Spricht man beim Reiten nicht immer von einer Partnerschaft? Und wo ist diese besagte Partnerschaft, wenn der eine Part sich hängen lässt und die gesamte Sportlichkeit von seinem vierbeinigen Gefährten abhängig macht?

Vor einem Jahr circa war ich noch um einiges motivierter: ich lief regelmäßig, machte ab und an meine Übungen daheim und war ein wenig fiter. Zugegebenermaßen bin ich mittlerweile ein wenig schlanker, was allerdings vor allem damit zusammenhängt, dass ich viel unterwegs bin und deswegen nicht den gesündesten Lebensstil pflege – schlanker zu sein bedeutet nicht gleich gesünder oder sportlicher zu sein! Nun ist es also an mir, meine Motivation auf’s Neue zu finden, denn meine Haltung stört mich, ebenso wie meine Rückenschmerzen. Mein Freund macht unheimlich viel Sport und kennt sich in dem Bereich auch recht gut aus, sodass dieser mir ein paar Tipps gegeben hat, wie ich meine Muskulatur dehnen kann. Denn sich zu dehnen ist etwas, was die wenigsten Reiter tun, obwohl es so unfassbar wichtig ist. Meine Muskulatur ist mittlerweile relativ verkürzt und ich bin gleichermaßen sehr schmerzresistent geworden, da ich mit meinen Rücken- und Gelenkschmerzen zu leben gelernt habe. Doch eigentlich ist das absolut nicht richtig, denn ebenso wie mein Pferd habe auch ich nur einen Körper.

Nun habe ich mir also diverse Fitnessseiten durchgelesen (richtige, nicht nur die, wo jemand in Sportleggins mit seinem Müsli posiert) und mich informiert, einen Plan aufgestellt und werde nun tatsächlich Nägel mit Köpfen machen. Mein Ziel ist es, zum Winter hin bereits den Sport zur Gewohnheit gemacht zu haben, da ich mich kenne: wenn es draußen bitterlich kalt ist bin ich die letzte, die dann freiwillig vor die Tür geht. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber wenn ich bei starker Kälte durch die Nase einatme, tut mir nach kürzester Zeit die Nase innen unfassbar weh, als würde dort jemand Nadeln reinstecken (sollte jemand Tipps dagegen haben: immer her damit). Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ich weiß, dass ich mich dann auch in den Wintermonaten besser aufraffen kann, wenn es bis dahin schon normal geworden ist, dass ich Sport mache. 

Auf meinem Sportplan steht aktuell dreimal die Woche locker joggen. Eine kleine Runde von sechs Kilometern erst einmal, die ich dann später ausbauen kann. Eine gewisse Grundkondition habe ich, ich bin die Strecke auch ab und an mal gelaufen, allerdings bin ich immer so unmotiviert zu laufen – es ist einfach nicht mein Ding, zu joggen. Dennoch möchte ich es versuchen. Gelesen habe ich unter anderem, dass Power Walking genauso effektiv sein soll wie zu laufen, dass es jedoch schonender für das Bindegewebe ist, da die Erschütterungen kleiner sind. Power Walking ist irgendwie mehr mein Ding, eventuell ändere ich also meine Laufeinheiten in Walking Einheiten um, dann aber mit richtig Tempo und kein entspanntes Spazierengehen.

Dazu möchte ich dreimal die Woche Kräftigungsübungen machen, um meine Muskulatur zu stärken. Ich habe eine recht starke Rückenmuskulatur, jedoch fehlt mir meine Bauchmuskulatur, das heißt ich werde vorwiegend Übungen machen, die meinen Bauch kräftigen, um so meinem gesamten Körper mehr Stabilität zu geben. Hierfür habe ich mir unter anderem das Bauch-Übung-Video von Pamela Reif auf YouTube angesehen, denn das ist eines, welches man ganz ohne Geräte machen kann, da ich natürlich weder plötzlich die Zeit, noch die Lust habe, ins Fitnessstudio zu gehen.

Zusätzlich möchte ich mich nahezu jeden Tag dehnen. Nicht zu lange, allerdings jeden Tag ein bisschen. Momentan kann ich – so peinlich mir das ist, es offen zuzugeben – nicht ohne Unwohlsein meine Füße berühren wenn ich stehe und mich vorne über beuge. Das möchte ich natürlich gerne wieder können, nicht, weil mich das im Leben so viel weiterbringt und es jemanden beeindrucken würde, wenn ich meine Füße berühren kann, doch es wird mir körperlich definitiv besser gehen, wenn meine Muskulatur nicht mehr so verkürzt ist. Natürlich ist das nicht die einzige Baustelle, gefühlt ist jeder Muskel verkürzt bei mir, sprich ich werde vermutlich in ein paar Monaten ein paar Centimeter größer sein, wenn alles wieder an Ort und Stelle ist.

Civa sieht momentan richtig gut aus, ist ein totales Kraftpaket, kriegt die richtigen Rundungen und behält die richtigen Kanten. Sie ist genau richtig was das Futter angeht und baut momentan gefühlt täglich neue Muskulatur auf. Es hat recht lange gedauert, bis ich an ihren Unterhals rangekommen bin und die Oberlinie des Halses aufgebaut habe, nun wird der Unterhals jedoch weniger und sie kriegt im Allgemeinen eine schöne Oberlinie, was mich natürlich stolz macht. Nun muss ich nur noch meinen Körper in Wallung kriegen, an ihm arbeiten und ihn so formen, dass er erstens meinem Pferd gerecht wird und ich zweitens eine bessere Figur auf meinem Muskelpaket mache.