Den Fokus verliert man schnell, was nicht unbedingt daran liegt, dass man seine Ziele nicht genau verfolgt, sondern dass man teilweise gar nicht weiß, was die eigenen Ziele überhaupt sind. Man formuliert seine Ziele zu ungenau, vielleicht, weil man Angst hat, seine Wünsche und Ziele offen auszusprechen. Sich wirklich auf etwas zu fokussieren fordert – wie man anhand des Wortes Fokus schon erahnen kann – die volle Aufmerksamkeit, sich auf etwas zu fokussieren ist eine Sache der Prioritätensetzung. Oft finden wir Entschuldigungen, warum wir nicht in der Lage sind, unsere Ziele zu erreichen, nur selten haben wir wirklich alles dafür gegeben. Den Fokus auf etwas zu legen bedeutet, dass man seine Zeit, seine Leidenschaft und seine Kraft einsetzt, um sich seine Träume zu erfüllen.

Mein Fokus lag lange Zeit auf vielen verschiedenen Dingen, ich wusste nicht so recht, in welche Richtung ich wollte, was mir wirklich Spaß macht war keine direkte Option und so fiel das hinten über, was mir eigentlich auf der Welt am meisten Spaß macht: das Reiten. Für einige klingt das vermutlich verträumt, wenn man seinen Fokus auf etwas legen möchte, wo man noch keine großartigen Erfolge vorzuweisen hat. Genau davon muss man sich allerdings frei machen, denn es ist egal, was andere von den individuellen Zielen halten. Wir sind alle anders und verfolgen alle andere Meilensteine in unserem Leben, was für den einen normal oder vielleicht auch nicht erstrebenswert ist, mag für den anderen wiederum die Welt bedeuten. Gerade das Thema „Fokus“ spaltet die Menschen, denn viel zu schnell wird man verurteilt, wenn man sich in etwas hinein kniet, ohne sofort die Früchte ernten zu können.

Der Reitsport ist das, was mir im Leben unheimlich viel gibt, ich bin nirgends so glücklich wie auf dem Pferderücken und mir macht kaum etwas so viel Spaß wie das Turnierreiten. Für mich selbst habe ich entschieden, dass ich mehr Fokus auf den Reitsport legen möchte, mehr erreichen möchte, mehr Turniere reiten möchte. Meine Turniere kamen die letzten Jahre zu kurz, meine bisher erste und einzige richtige Turniersaison war 2013. Vorher hatte ich nie wirkliches Interesse am Reiten als wettbewerbsträchtige Sportart und danach war ich eingebunden in Arbeit, meinem Privatleben, wurde durch Krankheit von Pferd und Reiter aufgehalten. Jedes Mal, wenn ich auf einem Turnier bin, merke ich, wie viel Freude ich bei der Sache habe, selbst wenn ich nicht so abliefere, wie ich es mir wünsche. Natürlich würde ich gerne besser sein, „immer“ mit einer Schleife heim fahren, doch genau darum geht es bei meiner neuen Prioritätensetzung: ich möchte mich so sehr in den Reitsport reinhängen, so viel Routine und Erfahrung sammeln, dass ich erst einmal Nullrunden abliefere und mich dann Stück für Stück nach vorne taste, um am Ende meine Platzierungen zu ergattern. Die letzten Wochen habe ich viel analysiert, Fehlerherde gesucht und gefunden und Pläne erstellt, wie ich diese Probleme nach und nach angehen kann, mit System, ohne zu verallgemeinern. Das ist gar nicht so einfach, denn man muss dabei ehrlich zu sich selbst sein, was manchmal unschön sein kann. Kritisch hinterfragen was man tut, seine Schwächen genau auseinander schrauben, um sie dann zu beheben. Ziele, Wege, alles muss klar definiert und geplant werden, gleichermaßen muss Spielraum für Notfälle bleiben.

Reiten an sich ist nicht mein Beruf und wird es auch nie sein, das ist auch gar nicht mein Ziel. Doch was ich definitiv möchte, ist alles aus meinem Pferd und mir als Team herauszuholen, was machbar ist. Damit meine ich nicht das, was andere meinen, was wir können, sondern wo unsere tatsächlichen Grenzen liegen. Gerade ich bin extrem anfällig für die Kommentare anderer und traue mir selbst extrem wenig zu, bin nicht selbstbewusst genug und dieses mangelnde Selbstvertrauen spiegelt sich vor allem im Parcours wieder. Die Unsicherheit kommt von verschiedenen Seiten: ich mache mir Sorgen, dass ich einen Fehler mache und mein Pferd sich deswegen wehtut, ich habe Sorge, dass ich mir nach einer nicht ganz rosig verlaufenen Prüfung negative Kommentare anhören muss, dass ich belächelt werde für meinen Ehrgeiz. Doch am Ende des Tages sind das alles Ausreden und Entschuldigungen, die mich selbst limitieren. Ich lasse zu, dass äußere Einflüsse mich in meinem Handeln beschränken, mache mir Gedanken, bevor überhaupt etwas passiert ist. Für mich steht gar nicht zur Debatte, dass wir gut durch den Parcours kommen und genau dieser Gedankengang hat mir auf den letzten Turnieren das Genick gebrochen. Immer am vorletzten Sprung oder sogar am letzten Sprung bin ich geschockt und überrascht, dass wir bis dahin null sind, dass ich es an besagten letzten beiden Sprüngen auf gut Deutsch gesagt versaue. Jede Nullrunde, die in greifbarer Nähe ist, wird von meinen Nerven kaputt gemacht, weil ich Angst habe, dass ich wieder nicht fehlerfrei ins Ziel gehe – und durch diesen negativen Gedanken komme ich auch selten ohne Fehler hinten an.

Wer sich also auf etwas konzentrieren will, muss allen voran eine Sache tun, die eigentlich am schwersten fällt: seine Leidenschaft damit entfachen, indem man an sich selbst glaubt, denn wenn man schon nicht selbst an sich glaubt, wie sollen andere das jemals tun? Realismus in allen Ehren, man muss ab und an die Messlatte etwas höher legen, um seine Erwartungen zu übertreffen.

Ich persönlich bin mir ziemlich sicher, dass ich den Bann dann brechen kann, wenn ich den Beweis habe, dass ich gut bin. Erst, wenn ich mehrere Nullrunden geritten bin, bin ich in der Lage, Platzierungen zu erreichen. Das ist logischer Aufbau, denn aktuell ist das Selbstbewusstsein auf meiner Seite recht weit unten angesiedelt und hält mich massiv zurück, weil ich mir um alles mögliche Gedanken mache und nicht in meinem Prüfungs-Tunnel verschwinden kann. Mein Fokus liegt nun also stark auf dem Reitsport. Ich möchte mehr reiten, meinen Beruf so organisieren, dass ich genug Zeit dafür habe. Möchte auf’s Turnier fahren, Erfahrungen und Routine sammeln, dadurch mein Selbstvertrauen aufbauen. Ich habe dieses Jahr parallel auf vielen Hochzeiten getanzt, habe versucht, es für alle anderen möglich zu machen und dabei mein eigenes Glück ein wenig aus den Augen verloren. Ich bin kaum zum Turnierreiten gekommen, musste mein tägliches Training ab und an für Termine für eine Weile – manchmal sogar drei Wochen am Stück, weil ich in der Weltgeschichte herum gereist bin, um mit Kunden zu arbeiten – auf Eis legen und so fehlt mir doch der ein oder andere Tag (zusammengerechnet wohl Monat). Das möchte ich nun ändern, nicht für andere, nicht aus Prestige-Gründen, sondern ganz allein für mich selbst.