IMG_2550-webVor ein paar Jahren stand ich vor der schwierigen Wahl, was ich mit meinem (beruflichen) Leben anfangen soll. Vieles schien Sinn zu machen, genau so viel schien aber auch Unsinn zu sein. Ich wusste, dass ich etwas wirtschaftliches tun musste, gleichermaßen wollte ich meine Kreativität nutzen und mich nicht einschränken müssen. Ich wollte meinen Kopf benutzen, allerdings nicht jeden Tag ins gleiche Büro fahren und am Schreibtisch sitzen. Ich wollte unabhängig sein, ohne Angst haben zu müssen, was der morgige Tag bringt. Zugegebenermaßen: das sind nicht die einfachsten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben. Dennoch habe ich meinen Weg gemacht, habe hier und da ein paar Umwege eingeschlagen und befinde mich aktuell auf einem super geradlinigen Pfad, auf dem jeder Schritt auf dem vorherigen aufbaut.

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Angefangen hat alles mit meinem Blog, der anfangs sporadisch, später fast täglich über meinen Alltag mit meinen Pferden gefüllt worden ist. Ich habe meine Leser an meinem (Pferde-)Leben teilhaben lassen, sie mit auf Turniere genommen, habe mit ihnen die Geburt von Cosma, den Kauf neuer Pferde, Events und schöne – und auch nicht so schöne – Momente durchlebt, meine Erfahrungen mit Produkten geteilt und so eine breite Community aufgebaut, mit der der Austausch Spaß macht. Doch den Lesern meines Blogs wird dies nichts Neues sein. Was allerdings neu ist, ist der Weg den ich mittlerweile eingeschlagen habe. Denn der Blog hat mir nicht mehr gereicht, ich mag das Gefühl von Stagnation nicht und so wollte ich mich stetig weiterentwickeln und wusste allerdings nie wie. Ich wusste, dass ich nicht bis zur Rente Bloggerin sein wollte, für mein Gefühl war das zu wenig, ich wollte mehr bewegen, mehr sehen, mehr erleben, meinen Kopf mehr einsetzen.

Ich wollte schon immer irgendetwas mit Medien machen (der Klassiker), wollte aber auch immer etwas mit Pferden machen – allerdings fühlte es sich nie so an, als würde ich mir diesen Traum jemals erfüllen können. Vor sechs Jahren lief ich etwas verschüchtert über das Landgestüt in Celle, war ein ganz normaler Besucher, war etwas verloren, fand es faszinierend und hätte mir niemals erträumen können, dass ich ein paar Jahre später auf der Anlage ein- und ausgehen würde. Den Anfang in diese Richtung machte ich 2017 mit dem HCJ Magazine, welches ich aus der Not heraus entstehen ließ. Ich hatte so viel Material in Aachen im Zuge des CHIO gesammelt, dass ich nicht mehr so recht wusste wohin damit – meines Erachtens passt der Content aus dem professionellen Reitsport nicht zu meinen Kanälen, da die Leute mir folgen, weil sie Interesse an meinen Pferden haben, nicht, weil sie etwas über andere lesen wollen. Die Erfahrung machte ich ein paar Mal, wenn ich über externe Personen schrieb und an den Klickzahlen (sowohl auf YouTube als auch auf meinem Blog) sehen konnte, dass diese nicht so gut angenommen worden sind. Ich wollte die gedrehten Videos aber auch nicht im Sand verlaufen lassen, erstellte einen neuen YouTube Kanal, eine Instagramseite und eine Facebookseite und begann sporadisch zu berichten. Die Resonanz war sehr positiv, doch mir fehlte die Zeit und ehrlich gesagt auch ein wenig der Antrieb, sofort ein großes Ding daraus zu machen, da der Aufbau einer solchen Sache natürlich auch seine Zeit fordert.

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Mittlerweile habe ich meinen inneren Schweinehund überwunden, mich ran gesetzt und frage mich: warum nicht früher? Die Idee stand bereits letztes Jahr vor der Tür: eine Plattform, die die Zuschauer/Leser mit Informationen über (Profi-)Sport versorgt, ohne dabei eine Berichterstattungsplattform zu sein. Der Link zwischen ambitioniertem Sport, professioneller Zucht und dem emotionalen Part im Umgang mit Pferden. Für mich war schon immer klar, dass das Gros der beruflichen Pferdemenschen auch eine starke emotionale Bindung zu ihren Tieren hat, mit ihnen genau wie das Gros der Amateure eine enge Partnerschaft eingeht und sie wegen ihres Charakters, ihrer Eigenarten und ihrer Anmut liebt und schätzt, dass dies nur häufig untergeht, weil der Sport oder die Zucht offiziell im Fokus stehen. Kurzum wurde das Magazine veröffentlicht und wird aktuell hauptsächlich mit Videomaterial auf dem YouTube Kanal befüllt, bald folgen zusätzlich Beiträge auf der Website und die Instagramseite wird momentan ein- bis zweimal täglich befüllt.

Während das Magazine einen eher kreativen Part einnimmt, entstand in meinem Kopf zusätzlich die Idee einer Agentur. Bereits 2011 sammelte ich Erfahrungen in einer PR Agentur und habe festgestellt, dass mir diese Arbeit sowohl Spaß macht, als auch liegt. Noch bevor ich den ersten richtig offiziellen Schritt gemacht hatte, war das Landgestüt Celle mein erster großer Kunde, dessen Instagram-Auftritt ich komplett übernahm und die mir zusätzlich für Videos für das HCJ Magazine zur Verfügung stehen. Als ersten Kunden gleich eines der Landgestüte zu haben war etwas, was ich mir nicht unbedingt hätte träumen lassen, ursprünglich dachte ich, ich würde ganz langsam anfangen und dann eventuell mit Glück 2019 eine halbwegs gut laufende Agentur haben. Nun folgte auch noch der CHIO Aachen, für den ich dieses Jahr über meine Blogger-Tätigkeit hinaus aktiv werde und die ersten international erfolgreichen Reiter und sportlich ambitionierte und erfolgreiche Amateurreiter kamen auf mich zu oder wurden von mir angesprochen – auch hier war die Resonanz durchweg positiv.

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Das Ganze hat sich in sehr kurzer Zeit zu einem komplett eigenen Unternehmenszweig gewandelt und ich musste einsehen, dass das alles nicht ganz alleine klappt, da ich nur zwei Hände, zwei Augen und vor allem nur einen Körper habe, den ich nicht vierteilen kann. So wird mein Team aktuell von ein paar kreativen Köpfen bereichert, die mir vor allem in Sachen Content viel abnehmen, den Planungsteil etc. übernehme ich bis heute noch selbst, denke beziehungsweise weiß aber, dass ich das über kurz oder lang ändern muss, da alles einzeln zwar machbar ist, ich jedoch nicht jeden Bereich übernehmen kann – dafür hat der Tag leider zu wenig Stunden, was ich zugegebenermaßen schade finde. Es macht mir Spaß, die Videos zu erstellen, Interviews zu planen und zu führen, zu schneiden, zu reisen, selbst zu reiten, Menschen zu vermarkten – doch ich kann einfach nicht alles machen, das ist menschlich und mir fällt es schwer, das einzusehen. Besonders schwer ist es vor allem deswegen, weil ich alles alleine aufgebaut habe, es ist sozusagen mein „Baby“ und ich gebe ungerne Dinge aus der Hand, jeder, der etwas zu dem Ganzen beiträgt, wird erst auf Herz und Nieren geprüft und ich gebe zu dass es unheimlich viel hilft, dass alle meine „Mitarbeiter“ mit mir befreundet sind und wir uns seit Jahren kennen, sprich sie mich eigentlich von Anbeginn meines Berufswegs verfolgen und wissen, was ich wie aufgebaut habe, wann es manchmal schwierig war, was ich geopfert habe und wo meine absoluten Hochpunkte liegen. Sie kennen mich, meine Wünsche und es ist toll, dass ich mit ihnen bereits viel über Berufliches geredet habe und mich mit ihnen ausgetauscht habe, bevor auch nur einem von uns klar wurde, dass unsere Wege sich auch beruflich irgendwann überschneiden werden.

Anfangs hatte ich immer große Angst, mit Freunden zusammen zu arbeiten – dadurch, dass ich „Chef“ bin, war meine Sorge groß, dass ich mich nicht trauen würde Kritik anzubringen oder dass die Freundschaft unter eventueller Kritik leiden würde. Bis heute hat das allerdings super geklappt und ich gehe davon aus, dass das auch noch lange so weitergehen wird und wir nach und nach noch mehr Menschen werden, die an diversen Projekten arbeiten. Projekt ist ein Stichwort, welches zu den kommenden Monaten passt, denn jetzt, wo das Magazine gut läuft und die Auftragslage gut ist, gibt es für HCJ Media ein neues Projekt – wer Content Marketing anpreist muss auch selbst Content Marketing betreiben! Und genau darum geht es und ich möchte euch noch nicht zu viel verraten, doch wenn euch der Stil des HCJ Magazine gefällt und ihr Interesse an der Blogger-Welt habt und es spannend findet, was im Leben der Internet-Stars passiert, dann werdet ihr euch auch mit dem neuen Format anfreunden können, welches extra für „Media“ ins Leben gerufen wird!

Das ist der aktuelle Part, alles, was momentan anfällt, was ich in meinem Leben tue und wo ich mich aktuell hin bewege. Dass ich deswegen meine Vlogs auf YouTube auf Eis legen musste ist denke ich für jeden klar, denn ich brauche die Pferde als meinen Ausgleich, genieße die Zeit mit ihnen sehr und freue mich, die Kamera aus der Hand zu legen. Die so oft angepriesene Work-Life-Balance scheint bei mir endlich auch angekommen zu sein, worüber ich mich natürlich wahnsinnig freue, denn hin und wieder dachte ich in den vergangenen Monaten, dass mir das alles über den Kopf wächst und ich zu wenig Stunden am Tag für meine ganzen Ideen habe und zu wenig Hände, Augen und Beine, um alles gleichzeitig und vor allem alles gut zu machen! Für die, denen meine Videos fehlen, habe ich allerdings eine gute Neuigkeit: ich habe ein wenig getüftelt und gebrainstormed (schreibt man das so?) wie ich euch weiterhin Videos zeigen kann – nicht zuletzt, weil mir Videos auch einfach Spaß machen – ohne, dass ich jeden Tag Vlogs mache? Eine Lösung scheint gefunden zu sein, allerdings ist es nicht sofort umsetzbar – aber ein kleiner Aufatmer für die, die sich Sorgen gemacht haben, dass ich YouTube nun für immer verlasse: ich komme wieder, nicht mit Vlogs, aber dafür mit etwas anderem.

HCJ Media, HCJ Magazine und auch mein eigener Blog sind demnach aktuell meine drei Standbeine, die alle konstant weiterentwickelt werden. Es macht Spaß, neue Ziele zu definieren und Ideen umzusetzen. Aktuell suche ich Mitarbeiter – allerdings fehlt mir einfach „die“ Bewerbung. Ich lege vor allem Wert auf die Persönlichkeit, die Pfiffigkeit, die Fähigkeit – weniger auf das Abschlusszeugnis. Doch bisher hat sich keiner getraut, ein richtig gutes, langes Motiviationsschreiben zu schreiben und mir dabei noch zu erzählen, was genau er für mich/uns tun kann und möchte. Natürlich ist es nicht ganz einfach, wenn man keine Stellenbeschreibung beifügt sondern nur Initiativbewerbungen annimmt. Doch am Ende des Tages sind wir in der schnelllebigen Medienwelt des Pferdesports ansässig und es reicht dann leider nicht aus, wenn man „Pferde mag“ – denn Events und coole Termine sind nur die Spitze des Eisbergs, meistens sitzen wir schreibend oder bearbeitend vor unseren Rechnern.

Es sind noch gefühlt hunderttausend Ideen niedergeschrieben, die nur auf den richtigen Moment warten, um umgesetzt und veröffentlicht zu werden – doch auch das ist etwas, was ich lernen musste: in der Ruhe liegt die Kraft, man muss sich für alles Zeit nehmen, damit es am Ende so ist, wie man es sich wünscht. Das habe ich bei Media und Magazine gemacht und bin nun unendlich zufrieden, auch wenn ich natürlich täglich nach Fehlern suche, um diese zu verbessern oder ganz auszubügeln. Es ist ein stetiger Prozess, man lernt nie aus und entwickelt sich permanent weiter. Das ist das, was ich liebe und was mir Spaß macht und ich freue mich, dass mein Blog als „Sprungbrett“ für mein eigentliches Berufsziel gedient hat – von welchem ich vor eineinhalb Jahren noch nicht einmal so richtig geahnt habe, dass es existiert!