IMG_0247Ich werde auch heute noch richtig oft gefragt, ob ich noch studiere, was ich studiere und wie ich mich da zurecht finde. Grundsätzlich gilt, dass ich schon immer jemand war, der wenig Wert auf Konventionen gelegt hat und mir immer vor allem eine Sache wichtig war: dass ich mich wohl fühle mit dem was ich tue und mich unabhängig von Meinungen anderer so entfalten kann, dass ich am Ende des Tages zufrieden einschlafen kann. Dieser Weg ist nicht immer einfach, nicht immer schön, manchmal richtig doof aber das, was ich daraus mitnehme, steht in keiner Relation zu den negativen Aspekten.

Mein Abitur erreichte ich 2011, ich habe ein Abitur mit einer Eins vor dem Komma und schaffte mir damit die Möglichkeiten, fast alles fast überall zu studieren. Nahtlos aus meinem Abitur ging es in eine PR Agentur, wo ich sehr schnell viele Aufgaben übernehmen durfte und merkte: mir liegt das, mir macht das Spaß, da will ich hin. So war es nicht verwunderlich, dass ich ohne Pause aus der Agentur in mein Studium wechselte: International Management an einer privaten Uni in Hamburg. Leider sagte mir dieses Studium bereits während des ersten Semesters überhaupt nicht zu, sodass ich – wohlgemerkt nachdem ich alle Prüfungen schrieb und auch hier wieder einen sehr guten Durchschnitt hatte – das Studium nach dem ersten Semester abbrach. Diese Rastlosigkeit zog sich weiter, ich begann ein Studium auf Niederländisch in Dronten, Hippische Bedrijfskunde hieß mein Fach und war ebenfalls ein Bachelor-Studium. Auch hier fühlte ich mich nicht sonderlich wohl und vor allem eingeengt. Es ging also zurück nach Hamburg, wo ich mich für einen weiteren Bachelor anmeldete, aber bereits einen Monat vor Studienbeginn merkte: das willst du nicht. So überlegte ich, was ich eigentlich will, was in meinem Fall relativ schwierig ist, da ich vor allem wusste, was ich nicht wollte und es mir zudem weder an Ehrgeiz, noch an Arbeitsmoral mangelte und auch heute noch mangelt. Die Umstände an den Universitäten haben mir nur leider nicht gepasst, ich fühlte mich unwohl, unfrei, mir gefiel es nicht, dass mir alles diktiert worden ist. Wie damals in der Schule, wo ich auch starke Schwierigkeiten hatte mit dieser Thematik. Viele mögen jetzt denken „da muss man durch“ – ich sehe das anders. Ich bin ein großer Freund davon, alles an Bildung mitzunehmen, was man kriegen kann, jedoch bin ich auch der Meinung, dass man eben nicht durch alles durch muss, nur weil das die gängige Meinung ist. Alles in einem hat mich diese Geschichte ein Jahr gekostet, was ich nicht als dramatisch ansehe, denn andere Menschen gehen ein Jahr auf Weltreise, ich war in diesem einen Jahr unentschlossen und habe mich selbst dadurch sehr gut kennengelernt. Aufgrund meiner Kindheit, in der wir sehr viel auch Kontinent-übergreifend umgezogen sind – dem Job meines Vaters geschuldet – hatte ich keinen Bedarf für eine Weltreise, ich hatte schon sehr viel gesehen und hatte einfach nicht das Bedürfnis, mich noch einmal auf große Reisen zu begeben.

So entschied ich mich für einen recht seltsamen Weg und begann eine kaufmännische Weiterbildung zur Managerin im Pferdesport und parallel dazu machte ich eine Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin. Danach begann mein Pferdefütterungsmanager, zudem studiere ich für meinen Marketing Bachelor und mache noch nebenbei zwei Hochschulzertifikate – alles fern. Das Vorurteil hält sich hartnäckig, dass ein Fernuni-Abschluss nicht gleichzusetzen ist mit einem an einer „richtigen“ Uni. Ich hingegen sehe das völlig anders, wie auch viele Unternehmen mittlerweile auch. Menschen, die in der Lage sind, einen sehr guten Abschluss zu machen, obwohl sie nicht täglich vor ihren Dozenten sitzen, bringen zudem ein großes Maß an Selbstdisziplin mit, denn die meisten studieren wie ich nicht einfach nur aus Jux und Dollerei fern, sondern weil sie einer anderen Tätigkeit nachgehen, in meinem Fall sind es meine Social Media Seiten.

Social Media ist mittlerweile ein richtiger Beruf – wenn man ihn eben richtig ausübt. Natürlich werden vor allem die rosigen Seiten gezeigt, die Events, die Fotos, die Videos – es sieht nicht nach Arbeit aus, aber seien wir mal ehrlich, will man in der oberflächlichen Social Media Welt wirklich sehen, wie Menschen vor ihren Schreibtischen sitzen und arbeiten? Eigentlich nicht, man möchte die schönen Dinge, die einem Freude bereiten sehen. Man will zum Träumen angeregt, nicht an den eigenen Alltag erinnert werden. Mein Blog war für mich ein Sprungbrett in eine völlig neue Welt, die mich mit vielen Firmen zusammenbringt und mit denen ich sehr viel, vor allem sehr viel abseits meiner eigenen Social Media Kanäle zusammen arbeite. Auch hier, ein sehr unkonventioneller Weg, denn mir ist bewusst, dass die meisten studieren und sich dann bewerben. Ich bin in all meine Geschichten „reingeschlittert“, es waren für mich logische Konsequenzen die ich gezogen habe und ich habe mich nie schlecht wegen einer Entscheidung gefühlt, hatte nie das Gefühl, Fehler zu machen, selbst wenn ich „versagt“ habe und habe nie bereut, Dinge anders als andere zu machen.

Sehr früh habe ich mich selbständig gemacht, aus meinem Blog wurde ein Kleinunternehmen, letztes Jahr eine Unternehmensgesellschaft, dieses Jahr wird mein Unternehmen in eine GmbH umgewandelt. In den letzten Monaten habe ich zudem ein weiteres Unternehmen aufgebaut, welches jetzt gerade auch sehr gut anläuft, weswegen ich hier wie gesagt auch nicht so aktiv war, da ich meine Aufmerksamkeit auf die Agentur gelegt habe. Aktuell habe ich ein Urlaubssemester an meiner Uni, da ich einfach nicht mehr alles geschafft habe. Allerdings möchte ich meinen Bachelor definitiv abschließen, ich bin auch schon relativ weit, deswegen wäre es unsinnig, ihn jetzt nicht mehr zu machen. Aber wenn ich ehrlich sein darf: ich brauche ihn nicht. Ich kriege regelmäßig Angebote von Firmen, die mit mir auch über den Blog hinaus zusammen arbeiten wollen und die mir Aufträge der verschiedensten Arten anbieten, keiner hat mich bisher nach meinem Abschluss gefragt. Der Fairness halber muss man sagen, dass das nicht in allen Richtungen funktioniert, viele Berufe setzen ein Studium voraus. Ich nehme mittlerweile eine Beratertätigkeit ein – auch wenn das für einige vielleicht seltsam klingt – und werde aufgrund von meiner Expertise angesprochen, nicht wegen meines Abschlusses. Auch, wenn vielleicht nicht jeder meinen Blog gerne liest, so spricht das Wachstum für sich und unabhängig davon, ob der ein oder andere belächelt was ich so treibe und Reitsportblogs im Allgemeinen total lächerlich findet, die für mich relevanten Personen/Firmen sehen das anders und nicht umsonst sprechen wir hier mittlerweile von einem Unternehmen und keinem Hobby. Die ein oder anderen finden das wohl arrogant, ich hingegen sehe das ganz anders – ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe und meines Erachtens hat es nichts mit Arroganz zu tun, wenn man offen und ehrlich sagt: ich habe das gefunden, was ich kann, worin ich gut bin und was mir Spaß macht. Das ist nicht arrogant, da stecken Glück und harte Arbeit hinter. Jeder sollte stolz auf sich und seinen Weg sein, die Menschen wären so viel glücklicher, wenn sie sich vor allem selbst einmal anerkennen würden und nicht darauf warten, dass andere das für sie tun.

Wo sehe ich mich in 5 oder 10 Jahren? Diese Frage wird mir so oft gestellt, egal, ob von Blog-Lesern oder bei Interviews – auch bei Bewerbungsgesprächen ist das normalerweise eine ganz gängige Frage. Mir fällt es schwer, da eine konkrete Antwort zu geben, denn ich sehe meiner Zukunft sehr entspannt entgegen, ich habe keine besondere Position, die ich haben möchte. Ich habe Träume, Ziele, Ambitionen – die hat jeder! Mir ist nur wichtig, dass ich keinen Weg in Stein meißle. Mein Verhalten mag auf einige sprunghaft wirken, ich würde es eher anpassungsfähig nennen, denn alles, was ich tue, ist eine Reaktion auf eine vorangegangene Aktion, egal, ob von mir selbst oder fremd-herbeigeführt.

Ich möchte niemanden dazu aufmuntern, sein Studium hinzuschmeißen. Ich kenne viele Leute, die den klassischen Bildungsweg gegangen sind und super glücklich und erfolgreich damit sind. Für mich war es nur nicht der richtige Weg, natürlich hab ich hin und wieder ein bisschen gegrübelt und mich gefragt, ob ich es jemals bereuen werde – unter anderem deswegen ziehe ich mein Studium durch, um im Notfall noch ein Backup zu haben, auch wenn ich sehr zuversichtlich bin, dass ich es nicht brauche. Jeder muss für sich selbst herausfinden, was er mag, auch wenn das hin und wieder heißt, dass man mit Traditionen und Konventionen brechen muss und einen eigenen Weg einschlagen muss. Jeder möchte sich frei fühlen in seinem Studium und später in seinem Job, man wünscht sich, dass sich alles richtig anfühlt.

Wo es mich noch hinführt weiß ich ehrlich gesagt nicht – eine Sache steht allerdings für mich fest, ich möchte nicht stagnieren, ich möchte keine langweilige Routine und ich möchte auch weiterhin glücklich und zufrieden sein, möchte nicht über-, auf keinen Fall aber unterfordert sein. Unsere Lebenszeit besteht aus viel Arbeitszeit – Schule, Studium/Ausbildung und dann der Job. Ich möchte auch meine Arbeitszeit glücklich verbringen, nicht auf die Uhr schauen und die Minuten zählen, bis der Tag endlich vorbei ist und „mein wahres Leben“ die paar Stunden nach meinem Job beginnt. Der Job beeinflusst zwangsläufig unsere Laune und ein Job, der einem Spaß macht und einem etwas gibt, anstatt nur Ressourcen zu nehmen, macht uns frei. Ich hätte vor fünf Jahren niemals gedacht, dass ich da sein würde, wo ich jetzt bin. Ich habe nie damit gerechnet, dass ich über die Dinge, die ich eindeutig nicht wollte, zu den Dingen gelangen würde, die mich überraschenderweise ausfüllen.

Ich kann konkret nicht sagen, was meine Zukunft bringt. Ich weiß nur, dass ich auch weiterhin gewillt bin, viel zu riskieren, meinen eigenen Weg zu gehen, hin und wieder auch mal so richtig daneben zu liegen. Für mich ist das ein Prozess und wer nicht wagt, der nicht gewinnt.




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