Mein Alltag wäre ohne meine Tiere nicht halb so schön! Zu meiner vierbeinigen Familie gehören mittlerweile mehrere Pferde und ein Hund. Angefangen hat damals alles ganz klassisch auf dem Ponyhof in den Sommerferien: meine Familie ist definitiv keine Reiterfamilie, meine Mutter ist zudem allergisch auf Pferde, sodass mein Weg in den Reitstall doch ein wenig verblüffend war. Ich wollte partout reiten, hatte ein Poster von Rodrigo Pessoa in meinem Kinderzimmer, als ich sechs Jahre alt war und wusste nicht einmal, wer das war.

Mister Nice Guy

Nach drei Sommerferien auf dem Ponyhof erhielt ich einmal wöchentlich Unterricht auf Schulpferden und ein Dreiviertel Jahr später folgte mein erstes Pferd. Mister Nice Guy war ein Welsh Cob/Connemara Pony (eher Pferd) und war das beste Pferd, auf dem ich hätte anfangen können. Gemeinsam bestritten wir Jagden und führten sogar zwei Jahre in Folge das Springerfeld mit an, ich ritt mit ihm meine ersten WBO Turniere auf E Niveau und sammelte jedes Mal eine Schleife ein. Alles immer auf der heimischen Anlage, dass es so etwas wie Auswärtsturniere gibt war mir zu dem Zeitpunkt gar nicht bewusst.

Als ich 2011 mein Abitur machte, bekam ich Wonne von meinen Eltern geschenkt, denn meine Schwester übernahm Mister Nice Guy und so stieg ich auf ein Großpferd um – und langsam aber sicher merkte ich, dass es außer Feldern, Hausturnieren und Ohne-Sattel-Reiten noch andere Dinge gab, die mich interessierten. Mit meinem Auslandssemester in den Niederlanden entwickelte sich der Wunsch, auch mal zum Turnier wegzufahren, sodass ich 2013 meine erste richtige Saison ritt. Wonne und ich waren gut unterwegs und vom Weinen im A Springen, weil ich vor der Höhe Angst hatte, ging es dann zwei Monate später bereits zur Siegerehrung eines L Springens.

2012 kam zudem noch Caesarion zu meiner Pferdefamilie, denn ein Bekannter von mir hatte sich diesen schönen Schimmel gekauft. Hauptsächlich ritt ich ihn, nachdem sein Besitzer von ihm gestürzt war und sich den Mittelhandknochen gebrochen hatte. 2014 wechselte Caesarion in meinen Besitz, das erste Pferd, welches ich mir selbst gekauft habe, sodass dieser Schritt für mich nicht nur emotional wichtig, sondern auch ein symbolischer Meilenstein war. Denn ab dem Moment war mir klar: du arbeitest hauptsächlich, damit du dir den Traum von den Pferden erfüllen kannst – und das tust du gerne!

2014 begann dann leider eine Pechsträhne: verletzte Pferde, Stall- und dadurch auch Trainerwechsel, beruflich bedingte Umorientierung – all das sorgte dafür, dass das Reiten definitiv zu kurz kam. Gegen Ende 2014 verletzte sich Wonne, sodass ich sie in Frührente und in die Zucht schickte, im Mai 2015 wurde sie schließlich gedeckt.

Meine tierische Familie erweiterte sich in 2016 enorm, denn im Februar adoptierte ich Sheldon, im April wurde dann bereits Cosma geboren. Nur zwei Monate später kaufte ich Carlotta, einen Monat später kaufte meine Mutter, die mittlerweile (trotz Allergie) Feuer und Flamme für diesen Sport war, Quentin und im Dezember folgte schließlich noch Civa. Nun hat Wonne bereits ihr drittes (und mein zweites selbstgezogenes) Fohlen auf die Welt gebracht, denn im Februar 2019 wurde Caspian geboren.

Mittlerweile ist das Leben ohne die Tiere für mich nicht mehr vorstellbar. Hätte man mir damals, als ich sechs Jahre alt war, Rodrigo Pessoas Poster (eine Roeckl Werbung um genau zu sein) bewundert und mir nichts sehnlicher als ein Pony gewünscht habe gesagt, dass ich eines Tages so viele Tiere in meinem Leben haben würde, hätte ich mich vermutlich selbst gekniffen, da ich alles für einen Traum gehalten hätte. Ich bin dankbar und glücklich für die Entwicklung und weiß, dass die Tiere immer ein fester Bestandteil meines Lebens sein werden.