Ein inspirierender Talk mit Jessica von Bredow-Werndl

Foto: FS Bildpoesie

Durch das Mercedes Benz-Event beim CHIO Aachen, wo der EQC vorgestellt worden ist, bekamen einige andere und ich die Möglichkeit, in entspannter Runde mit Markenbotschafterin Jessica von Bredow-Werndl beisammen zu sitzen und uns wie „alte Freunde“ über ihre Lebensphilosophie, ihren „Typ Pferd“ und die gute Beziehung zu ihrem Bruder Benni zu unterhalten.

„Ein Pferd ist wie ein hoch begabtes Kind“ antwortete sie auf die Frage, was ihr präferierter Pferdetyp sei. „Jedes ist anders und man muss bei jedem einen anderen, individuellen Ansatz wählen“. Sie wandert, wie Kristin (Instagram: @derdismero) es so schön ausdrückte, für den Dressursport auf alternativen Pfaden. Der Erfolg gibt ihr recht und so ist sie seit Jahren nicht mehr aus der Weltspitze des Dressursports wegzudenken. Doch das war nicht immer so, denn tatsächlich gab es eine Phase in ihrem Leben, in der sie überlegt hatte, mit dem Reiten aufzuhören. Irgendwann setzte sie sich jedoch ein Limit: in den kommenden vier Jahren wollte sie sich voll in den Sport hängen, an sich arbeiten und für ihre Ziele kämpfen. Wenn sie es nicht geschafft hätte, hätte sie immer noch eine Ausbildung zum Ernährungscoach und ein Studium in der Tasche gehabt – eine Tatsache, die natürlich beruhigte, denn so gab es eine gute Alternative, wenn der Berufswunsch „Profi-Reiter“ nicht in Erfüllung gegangen wäre. Übrigens war das gar nicht ihr erster Berufswunsch, sie wollte zuerst Kindergärtnerin, dann Grundschullehrerin und dann Tierärztin werden, der Wunsch, professionell zu reiten kam erst danach.

„Me-Time“

Für sie ist es ein festes Ritual, das Pferd vor der Prüfung selbst einzuflechten. Zwei Stunden vor ihrem Start wechselt ihr Handy in den Flugmodus und sie genießt die Ruhe und Auszeit vor ihrer Aufgabe.

Der Wunsch wurde Realität und so ist sie zu einem sympathischen Vorbild gewachsen, welche nicht nur durch ihre Leistung, sondern auch durch ihre positive Lebenseinstellung Jung und Alt inspiriert. Ich fragte sie, wie sie mit Rückschlägen zurecht kommt und ob es für sie auch mal schlechte Tage gibt, da man sie meistens mit einem Lächeln im Gesicht sieht und sie grundsätzlich positiv und vor allem zufrieden wirkt. „Ja, ich habe auch mal schlechte Laune! Letztens war ich im Stall und hatte aus einem unerfindlichen Grund richtig schlechte Laune und habe das natürlich allen gesagt, damit sich keiner wundert. Ich musste selbst so über mich selbst lachen, weil es eben keine Erklärung dafür gab, dass sich meine schlechte Stimmung mittags schon wieder gelegt hatte!“

„Man weiß nie, wann es vorbei ist. Wie oft habe ich mich geniert zu tanzen oder Blödsinn zu machen! Das ist eigentlich total schade!“

Gemeinsam mit ihrem Bruder betreibt sie „Aubenhausen“, dort arbeiten sie gemeinsam mit Pferden jeden Alters. Einen bestimmten Typ Pferd hat sie nicht: „Heiß müssen sie sein“ ist die einzige Gemeinsamkeit, die sich bei ihren Pferden finden lässt. Rivalitäten kommen zwischen ihr und ihrem Bruder allerdings nicht auf. „Ich habe den Vorteil, dass ich große und kleine Pferde reiten kann. Zaire war eigentlich damals für Benni gedacht, aber nun ist sie bei mir. Auch jetzt hat er gerade einen Youngster, den ich ihm abluchsen will.“ sagt sie und lacht dabei herzlich. Unstimmigkeiten bei den Geschwistern? Gibt es, allerdings ist der Ärger schnell wieder verflogen, denn die beiden wissen, was sie aneinander haben und wie unwichtig die ein oder andere Meinungsverschiedenheit ist.

Doch nicht nur reiten tun die beiden, mittlerweile haben sie auch eine eigene Kollektion auf den Markt gebracht und das Programm „Dressurfit“ soll Reitern dabei helfen, ihren Sitz zu verbessern. Eine Ausrede gäbe es laut Jessica nicht, da die Übungen so aufgebaut seien, dass man maximal zwanzig bis dreißig Minuten investieren müsse. „Die Motivation hierfür ist dein Pferd!“ antwortet sie mit einem Augenzwinkern auf den Kommentar von Luisa (Instagram: @luisazuckerwatte_), dass man sich für Ausgleichssport so schlecht motivieren könnte – recht hat sie, so habe ich selbst ehrlich gesagt noch nicht über die Thematik nachgedacht, denn ich halte es eigentlich auch eher mit Luisa, abseits des Reitsports fällt die Motivation für Sport teilweise doch nicht ganz so leicht! Für ihre Ausdauer geht sie zusätzlich joggen, allerdings auch keine Marathonstrecken, maximal dreißig Minuten pro Einheit.

„Halbtags bin ich Profi. Die andere Hälfte des Tages bin ich Mutter“

Das Leben als Mutter hat ihren Alltag natürlich beeinflusst. Sie reitet mittlerweile zwei Pferde weniger – kommt allerdings immer noch auf fünf bis sieben Pferde pro Tag – und achtet darauf, erst in den Stall zu gehen, wenn ihr Sohn zur Kita aufbricht. Wenn er wieder nach Hause kommt, ist auch Jessica wieder daheim. Wo sie in zwanzig Jahren ist kann sie aktuell noch nicht sagen, allerdings geht sie davon aus, dass sie dann nicht mehr den großen Schleifen nachjagen wird. Weiterhin reiten möchte sie auf jeden Fall, jedoch geht sie fest davon aus, dass irgendwann ein neuer Lebensabschnitt anbricht. Und wie sollte es anders sein, auch diesem, noch unbekanntem Weg blickt sie mit einem Lächeln und mit Vorfreude entgegen.

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