Mittlerweile ist Quentin aus seiner Kurzpause wieder „in Arbeit“, was im Klartext bedeutet, dass wir ihn nun anreiten lassen und ihn dann behutsam auf das weitere „Projekt Deckhengst“ vorbereiten. Hat ein Hengst ein positives Körurteil erhalten, gibt es mehrere Wege, um ihn schlussendlich in den Deckeinsatz zu bringen. Für welchen wir uns genau entscheiden wissen wir ehrlich gesagt noch nicht zu einhundert Prozent, denn gerade durch Quentins sehr ausgeglichenen Charakter und klaren Kopf stehen uns alle Türen offen, denn auch den 50 Tage Test würde er unserer Meinung nach gut verkraften, sowohl körperlich, als auch mental.

Der 14 Tage Test (Veranlagungsprüfung)

Diese Prüfung dauert – wie der Name es schon vermuten lässt – 14 Tage und findet regulär zwischen April/Mai und von September bis November statt. Zugelassen sind drei- und vierjährige gekörte und nicht geklärte Hengste. Bei dieser Prüfung gibt es keinen disziplinspezifischen Schwerpunkt, allerdings gibt es disziplinspezifische Prüfungsdurchgänge, hier werden dann aber die selben Merkmale bewertet.

Geprüft werden hier die Grundgangarten, das Freispringen und es gibt einen Fremdreitertest. Überprüft werden die Hengste durch drei Kontrollen, die insgesamt 5 Tage andauern: einmal am ersten Tag, dann am siebten und achten, beziehungsweise am achten und neunten Tag und dann bei den Abschlussprüfungen am 13. und 14. Tag. Nach der ZVO (Zuchtverordnung) muss der Hengst eine Mindestgesamtnote von 7,5 oder eine dressur- beziehungsweise springbetonte Endnote von 8,0 aufweisen.

Sobald der Hengst dann geprüft worden ist, ist er vorläufig für den Deckeinsatz zugelassen (als drei- oder vierjähriger Hengst). Doch der 14 Tage Test reicht nicht aus, um den Hengst „für immer“ im Deckeinsatz zu lassen, denn die Veranlagungsprüfung (VA) muss in Kombination mit den Sportprüfungen für Hengste absolviert werden.

Die Sportprüfungen dauern drei Tage und werden einmal vier- und einmal fünfjährig absolviert und finden von Januar bis März statt. Zugelassen sind vier- und fünfjährige gekörte Hengste und hier werden nun die disziplinspezifischen Schwerpunkte gesetzt: Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Die Anforderungen richten sich nach dem Alter der Hengste und entsprechen den Aufbauprüfungen, die die meisten von uns aus dem gängigen Turniersystem kennen. Vierjährige Hengste müssen also auf A Niveau, fünfjährige Hengste auf L Niveau (vielseitig veranlagte Hengste auf A** und L Niveau) laufen und zusätzlich den Fremdreitertest absolvieren. Überprüft werden die Hengste am ersten Tag, wo sie das Training unter Aufsicht des Stewards absolvieren. Am zweiten und dritten Tag wird der Hengst dann durch die Bewertungsimmission beurteilt, man kann es also mit einer Turnierprüfung vergleichen. Verlangt wird eine Mindestnote (disziplinspezifisch) von 7,5. Die Hengste, die die Veranlagungsprüfung (14 Tage Test) durchlaufen haben, müssen also noch zweimal zum Sporttest, einmal vier- und einmal fünfjährig. Sobald sie die Prüfung als Fünfjähriger erfolgreich abgelegt haben, dürften sie endgültig ins HB I eingetragen werden. Absolvieren sie als vierjähriger Hengst zum ersten Mal die Sportprüfung, erhalten sie – wie schon als dreijähriger Hengst – nur eine vorläufige Deckerlaubnis und müssen sich im kommenden Jahr erneut beweisen.

Wer mehr über den 14 Tage Test erfahren will, kann dies HIER im YouTube Video von HCJ Magazine tun.

Der 50 Tage Test

Der 50 Tage Test dauert – auch hier keine Überraschung – 50 Tage und findet im Februar/März und von August bis November statt. Zugelassen sind drei- bis siebenjährige gekörte und nicht gekörte Hengste. Im Gegensatz zum 14 Tage Test gibt es hier allerdings bereits die disziplinspezifischen Schwerpunkte Dressur und Springen. Die Anforderungen richten sich auch hier nach den Aufbauprüfungen, das bedeutet im Klartext, dass dreijährige Hengste altersgerecht vorgestellt werden, vierjährige auf A Niveau, fünfjährige auf L Niveau und sechs- bis siebenjährige Hengste auf M* Niveau laufen. Zusätzlich müssen sie alle den Fremdreitertest absolvieren.

Die Hengste werden dreimal überprüft während der ganzen Zeit, diese Überprüfungen dauern jeweils zwei Tage und finden am ersten und zweiten Tag, innerhalb der vierten Woche und am 49. und 50. Tag statt. Der Hengst erhält eine gewichtete Endnote (dressurbetont/springbetont) und muss mindestens eine 7,8 erhalten. Absolviert der Hengst den 50 Tage Test erfolgreich, ist er endgültig für den Deckeinsatz zugelassen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass auch ein dreijähriger Hengst danach nicht noch vier- und fünfjährig seine Sportprüfungen absolvieren muss.

Der Vollständigkeit halber:

Natürlich ist es auch möglich, einen Hengst durch Turniersportprüfungen in den Deckeinsatz zu lassen, das bedeutet, dass er Erfolge in der schweren Klasse oder beim Bundeschampionat in einer der drei Disziplinen (Dressur, Springen, Vielseitigkeit) ins Finale kommen muss oder in der ersten Hälfte es Finales bei der WM der Jungen Vielseitigkeitspferde rangieren muss.

Für uns gilt es also nun, die positiven und negativen Aspekte abzuwägen, uns mit anderen zu beratschlagen, Quentins Vorzüge und Defizite aufzuzählen und dann zu entscheiden, welcher Weg eingeschlagen wird. Dass das „Projekt Deckhengst“ weitergehen soll wissen wir allerdings schon zu einhundert Prozent, denn bereits jetzt erhalten wir eine starke Nachfrage nach unserem blonden Strahlemann.

Wer das YouTube-Video von seiner Körung noch nicht gesehen hat, kann dies HIER nachholen!