Hier war ich schon schwanger – mit einem Weihnachts-Foodbaby.

Dass Reiter untereinander selten ein gutes Haar aneinander lassen ist mittlerweile bekannt – sogar die nicht-Pferde-Zeitschriften haben sich mit dieser Thematik ausführlich befasst und es wurden Studien veröffentlicht, warum gerade Frauen im Reitsport so biestig zueinander sind. Von meinen Freundinnen, die bereits Kinder in die Welt gesetzt haben oder deren Schwangerschaft vorangeschritten ist, weiß ich, dass auch (werdende) Mütter untereinander nicht sonderlich freundlich sind und aufeinander herumhacken: von indirektem Bodyshaming bis hin zur Verurteilung vom Verhalten und später der Erziehung ist auch hier alles dabei.

In meiner Welt – vor allem als jemand, der auf Social Media unterwegs ist – habe ich es nun mit dem absoluten Endgegner zu tun: mit reitenden Müttern. Dachte ich bislang, dass nur mein Reitstil oder meine Handhabung der Pferde beäugt werden, werde ich nun auch beim nicht-reiten beurteilt. Reite ich als werdende Mutter, gefährde ich mein Kind, reite ich nicht, soll ich mich nicht so anstellen, eine Schwangerschaft sei schließlich kein Handicap. Medizinische Ursachen werden erstmal nicht beachtet, denn seien wir mal ehrlich, auch Ärzte haben keine Ahnung, weil Arzt XY mal einer anderen Person zu etwas ganz anderem geraten hat – und die Hebamme und der Akupunkteur sowieso. Kind mit in den Stall, Kind nicht mit in den Stall, Keime sind ok, Keime sind schlecht – der Kopf raucht, denn plötzlich muss man so viel beachten und versaut nun nicht mehr nur sein Pferd, sondern auch sein Kind!

Es werden Bäuche verglichen, Mutmaßungen angestrebt und irgendwie scheinen alle zu vergessen, dass das Individuum Mensch nicht mit der Schwangerschaft abgelegt wird – die Schwangerschaft ist ein Plus, die Kirsche auf der Torte, nicht aber plötzlich das ganze Sein. Zumindest nicht für jede. Meine Mutter beispielsweise hatte in der Schwangerschaft mit meiner Schwester einen winzigen Bauch, kurz vor der Entbindung sah sie mehr nach zwei Tellern Pasta zu viel, als nach einer Hochschwangeren aus – Randnotiz an alle Helikopter-Mütter: meine Schwester ist kerngesund, putzmunter und hat auch keine Allergien (denn das musste ich auch schon feststellen: gefühlt führt alles zu Allergien. Ich habe auch das Atmen mittlerweile auf ein Minimum reduziert, um das Risiko so gering wie möglich zu halten). Meine Cousine hingegen sah bereits im sechsten Monat aus, als würde sie Drillinge erwarten. Auch hier kam ein kerngesundes Kind auf die Welt, dabei sah ihr Bauch ganz anders aus, als der meiner Mutter. Da muss definitiv ein Fehler vorliegen!

Was also tun, wenn in Zukunft nicht mehr nur die Frage im Vordergrund steht, warum man eigentlich seinem Pferd einen Pottschnitt verpasst, statt die Mähne lang wachsen zu lassen, sondern auch gefragt wird, warum man seinem Kind die gleiche Frisur verpasst hat? Oder wenn man nicht nur falsch reitet, sondern auch noch falsch das Kind trägt? Wenn man dem Pferd kein Zusatzfutter füttert und gleichzeitig vermeintlich viel zu spät mit Babybrei anfängt, weil Justus-Jerome von nebenan das schon viel früher gemacht hat? Oder wenn man bei Pferd UND Kind plötzlich zu viel Seife benutzt? Was, wenn man nun nicht nur (unfreiwillig) am Wettbewerb teilnimmt, welchem Pferd es am schlechtesten geht und wen es schlimmer erwischt hat, sondern wer die heftigere Geburt hatte? Da hilft nur eins: durchatmen. Eigentlich ist es ja überall das gleiche Prozedere, jeder glaubt, dass sein Weg der einzig wahre sei. Auch ich mache mich davon nicht frei und frage mich bis heute, was man mit einem Gipsabdruck von seinem Bauch möchte. Vielleicht umdrehen und als Salatschüssel nutzen. Oder Müslischale, wenn man die Bauchgröße meiner Mutter hat.

Es ist ein Phänomen, dass jeder versucht, den anderen seine Meinung aufzudrücken, man wird ganz wuschig, wenn man sich alle Möglichkeiten anguckt – gefühlt kann man es gar nicht richtig machen, denn an jedem Wegesrand steht jemand, der es anders gemacht hat und deswegen Kritik üben wird. Vielleicht macht es am meisten Sinn, die Nase einfach auf dem eigenen Teller (Sattel / Bauch) zu lassen – ist aber nur ein Denkanstoß, was weiß ich schon, ich gehe schließlich auch ohne Schleppleine mit meinem Hund spazieren.

Natürlich ist dieser Beitrag nicht mit der größten Ernsthaftigkeit geschrieben. Wer also gleich böse in die Tasten hauen und mich darüber aufklären möchte, dass ich den Müttern hier Unrecht tue oder dass ich eine ganz garstige Mutter werde, weil ich mich nicht als heiligen Gral und Wunder der Natur ansehe, sondern in meinen Augen eben einfach nur schwanger bin, der möge dies bitte unterlassen. Ich werde die Kommentare in meinem Kopf sowieso ausblenden, denn nur positive Energie tut meinem Kind gut, alles andere macht Allergien. Hat der Lehrer für musikalische Früherziehung mir erklärt.