IMG_5752 IMG_5756 IMG_5758Vergangenes Wochenende ging es für Civa und mich nach Neuengörs auf’s Turnier, wo ich ein A* Stilspringen und ein A** Springen genannt hatte. Relativ früh haben wir dann verladen und uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg gen Norden gemacht, denn die erste Prüfung sollte bereits um acht Uhr beginnen – ich rechne meistens immer den Fahrtweg plus eine Stunde vor Prüfungsbeginn vor Ort sein, unabhängig davon, wann ich reite, damit ich immer ein wenig Puffer habe, sollte man doch unerwartet Verkehr haben oder sich eine Prüfung mal verschieben, außerdem brauche ich immer eine Weile um mich zu orientieren und mache auch lieber in Ruhe fertig, als hektisch zu werden und dann vielleicht in der Eile etwas zu vergessen.

Nachdem unsere letzte Springstunde wirklich super war und ich sie gefühlt an zwei Fingern reiten konnte, auch in Bezug auf enge Wendungen, war das Abreiten auf dem Turnier wieder ein ganz anderes Thema – man merkt, dass sie doch sehr aufgeregt ist und vor allem auch motiviert, was ja eigentlich sehr schön ist, allerdings schwenkt es bei ihr doch eher in die übermotivierte Richtung über, was für mich streckenweise noch nicht so einfach zu handhaben ist. Anständiger Schritt war nahezu nicht möglich, sie war nur am trippeln und ich konnte auch kaum normal traben, ohne dass sie angaloppiert ist. In ihr steckt dann so viel Energie, die sie irgendwie rauslassen muss. Das merkte ich dann auch im A* Stilspringen, wo ich sie nicht wirklich gehen lassen konnte, weil sie richtig anstrengend im Maul war. Das ist etwas, was viele leider nicht so ganz verstehen, doch wenn ich sie so „festhalte“ dann halte ich sie in dem Sinne nicht fest, damit sie langsam läuft, sondern ich versuche in irgendeiner Form an sie ran zu kommen, denn sie entwickelt einen Tunnelblick und wenn ich sie dann einfach machen lasse wird sie flach, hektisch und lang – was man ja auch nicht möchte. Die goldene Mitte wäre richtig, aber man darf auch nicht vergessen, dass ich ein Amateur bin, stetig lerne und ich noch nie ein Pferd wie Civa hatte, das von selbst einen so ausgeprägten Elan hat. Kaum war die Prüfung vorbei, ging Civa perfekten Schritt, war entspannt, schnaubte und wusste: ich bin fertig. Auch hier zeigt sie mir, dass es ihr um die Prüfung an sich geht und mein Trainer und ich arbeiten aktuell daran – wie ich auf Snapchat schon gesagt habe – dass Springen für sie nichts Besonderes mehr ist, also dass sie nach einem Sprung Pause machen kann, durchatmen kann und wir dann ganz in Ruhe weiter machen. Dadurch kann ich Zuhause mittlerweile sehr ruhig und entspannt einen Parcours reiten, das klappt natürlich noch nicht auf dem Turnier, da fehlt mir und uns gemeinsam die Routine.

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Wir hatten dann ein wenig Pause, da das A* Stilspringen in zwei Abteilungen stattfand. Die Zeit nutzten wir, um Civa Wasser zu geben und sie auf den Anhänger zu stellen und danach haben wir uns auch Speis und Trank gewidmet und dabei die zweite Abteilung angeschaut.

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Das A** Springen verlief dann etwas anders, das Abreiten war schon viel angenehmer. In der Prüfung selber habe ich sie sehr viel mehr ziehen lassen, habe mich sehr wohl gefühlt und war auch nicht unsicher – im Gegenteil. Es sah noch nicht ganz so harmonisch aus, was aber für mich völlig in Ordnung ist, denn mein Gefühl war schon einmal sehr viel besser und darum geht es ja am Ende, ob ich das Gefühl habe, dass es zwischen Civa und mir harmoniert, nicht ob am Rand alle stehen und sagen, was das für eine wunderschöne Runde war – nebenbei bemerkt: Roger Yves Bost ist ein unfassbar erfolgreicher Reiter mit einem etwas seltsamen Stil, man muss also nicht immer in Schönheit sterben. Ich möchte mich natürlich nicht ansatzweise mit ihm vergleichen, nur eben einmal anmerken, dass ein schöner Sitz alleine nicht immer ausreicht. Für mich ist natürlich immer noch das Ziel, dass es effektiv und schön ist, doch aktuell reicht mir ehrlich gesagt effektiv, der Rest kommt von alleine mit der Routine, der Übung und der Zeit. Belohnt wurde diese Runde mit einer fantastischen Zeit, doch leider fiel die Stange am letzten Sprung. Lange hatten wir die Bestzeit, zwei waren am Ende doch noch schneller, ohne den Fehler wäre es also am Ende des Tages Platz drei geworden, so haben wir leider keine Platzierung erreicht, was aber auch OK war.

Ich bin meines Erachtens noch nie ohne Schleife so zufrieden nach Hause gefahren, denn ich hab gesehen, was unser Training in der kurzen Zeit schon bewirkt hat. Man darf nicht vergessen, dass wir seit knapp einem Monat bei meinem neuen Trainer stehen und dass auch das für uns beide eine Umstellung ist, weil natürlich jeder Reitlehrer anders Unterricht gibt, andere Ansätze hat etc., auch da brauchen wir noch mehr Zeit, damit alles perfekt passt. Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit der momentanen Entwicklung und glaube, dass wir immer mehr zusammen finden werden im Laufe der nächsten Wochen, denn es fühlt sich jetzt nach der kurzen Zeit schon an, als hätten wir einen großen Sprung gemacht. Nun überlegen wir aktuell, ob Civa doch nochmal ein anderes Gebiss kriegen soll, weil sie auf dem momentan eingeschnallten Gebiss hin und wieder doch recht stark wird. Es geht hierbei jetzt nicht um ein schärferes, sondern schlichtweg um ein anderes Gebiss. Ich denke, dass wir da noch ein kleines bisschen suchen müssen, bis wir das eine, richtige für sie gefunden haben und in der Hinsicht ähnelt sie Wonne sehr doll, die regelmäßig Trensen- und Gebisswechsel hatte, weil sie selbst nicht gerne lange mit ein und derselben Kombination gelaufen ist. Das waren manchmal so banale Veränderungen wie das Gebiss vom Englisch Kombinierten Reithalfter in ein Mexikanisches umzuschnallen. Civa scheint dort ähnlich zu sein, auch wenn die Trense eindeutig gut für sie ist, wir müssen nun nur noch einmal schauen, dass wir dann auch das richtige Gebiss finden und ich denke, dass ich sie auch in der täglichen Dressurarbeit mit einem anderen Gebiss reiten sollte, als beim Springen. Wir werden sehen, womit wir am Ende am besten zurecht kommen, der Markt eröffnet uns viele Möglichkeiten um das passende für Civa und mich zu finden.

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