Am 22. Februar war es so weit, Quentin wurde bei der Nachkörung in München Riem vorgestellt und erhielt dort ein positives Körurteil. Hinter uns liegt ein gar nicht so langer, ebenmäßiger und vor allem für alle Beteiligten – inklusive Quentin – entspannter Weg! Selten habe ich einen so reibungslosen Ablauf erlebt, ohne einen einzigen Stein auf der Reise.

Im Frühling 2016 kaufte ich Carlotta auf dem Gestüt Lindenhof in Rohrlack. Als ich sie für die Fohlenschau eingeflochten habe, fiel mir sofort ein kleines, blondes Hengstfohlen auf. Als ich mit Carlotta fertig war, flocht ich auch ihn ein und war so verzückt, dass ich meiner Familie postwendend Fotos des kleinen Kerls zuschickte. Ebenso wie ich, war auch meine bis auf meine Schwester nicht-reitende Familie begeistert von dem kleinen Palomino-Hengst.

Meine Familie hat mit Zucht bislang nichts zu tun gehabt, mit Ausnahme von meinem zu dem Zeitpunkt ersten Zuchtversuch mit Wonne. Wir hatten keine Ahnung, was auf uns zukommen würde, was genau wir mit dem kleinen, blonden Kerl anstellen wollten und welche Entscheidungen wir wann und wieso treffen müssten. Meine Eltern waren einfach hin und weg von seiner Ausstrahlung und so unterschrieben sie den Kaufvertrag. Uns war allen bewusst, dass wir hier einen Köranwärter gekauft hatten und dass wir hierfür Hilfe benötigen würden, denn es wäre töricht, wenn man sich keine Gedanken gemacht hätte und keine professionelle Unterstützung eingeholt hätte. Pferdehaltung und -ausbildung ist ein Thema, welches in erfahrene Hände gehört, doch vor allem beim Thema Zucht ist es unheimlich wichtig, dass man nicht ohne Sinn und Verstand seinen Weg geht, denn Zucht will gut überlegt werden.

Quentin wuchs in dem gleichen Stall auf, wo auch meine beiden Stuten Cosma und Carlotta ihre Jugend bis heute noch genießen, jedoch natürlich nicht in der gleichen Herde. Er stand in einer Hengstherde, in der er anfangs eher zurückhaltend war, später jedoch der „Garstige“ wurde und sich gegen seine durch die Bank weg schwarzen Kumpanen durchsetzte und ganz vorne mitspielte. Als das Alter für eine reguläre Körung näherrückte, trafen wir die Entscheidung, dass es noch zu früh sei. Im Vergleich zu seinen gleichaltrigen Freunden war er deutlich schmächtiger und wir wollten ihn weder überfordern, noch unnötig auf etwas vorbereiten, wo er keine Chance haben würde. Das wäre allem voran für ihn unnötiger Stress und letztlich auch für uns eine unnötige finanzielle Belastung geworden, denn die Vorbereitung auf eine Körung ist zeitaufwendig und kostenintensiv. Im Oktober 2018 ließen wir ihn erstmalig röntgen, um zu sehen, ob er über ein Defizit verfügt, welches ihm von vorne herein ein positives Körurteil verwehren würde, denn vor der Körung müssen die Hengste untersucht und geröntgt werden – was gut ist, denn eine Selektion muss stattfinden, um keine ungesunden Hengste, oder welche mit starken Defiziten, in die Zucht zu entlassen. Die Untersuchung von Quentin ergab, dass er ein kerngesundes Pferd mit perfekten Röntgenbildern ist. So stand dem Beginn seiner Ausbildung nichts mehr im Wege.

Durch meine enge Zusammenarbeit mit dem Landgestüt Celle (mit meinen Unternehmenszweigen HCJ Magazine und HCJ Media) ließen wir uns natürlich beraten – erstens, weil ich auf die Expertise vertraue und zweitens, weil die Gestüter selbst Pferde ausbilden, zusätzlich zur täglichen Arbeit mit den Hengsten des Landgestüts. Schnell wurde klar, dass wir mit Eirik Erlingsen zusammenarbeiten wollten, der Quentin ab November 2018 übernahm und ihn schonend ausbildete. Angestrebt hatten wir die Sattelkörung, doch da Quentin so schnelle Fortschritte machte, sich körperlich gut weiterentwickelte und vom Kopf her ausgesprochen klar war (und ist), peilten wir spontan die Nachkörung in München Ende Februar an.

Besonders schön an der Ausbildung bei Eirik war, dass Quentin nicht einfach nur „stumpf im Kreis“ gerannt ist, sondern ständig Abwechslung hatte. Frei nach dem Motto „mit Spaß lernen“ hat er viel gelernt und sich entwickelt, gleichermaßen war er nie überfordert, hatte Spaß und war auch eifrig, Neues zu erlernen. Jede Neuerung hat er geduldig mitgemacht: das Longieren mit Longiergurt, das Longieren mit Sattel, freies Laufen, Führanlage, Freispringen, Reifen ziehen mit einem Geschirr – kurzum: jede Veränderung nahm er gelassen hin, machte nie einen Aufstand und benahm sich, als hätte er niemals etwas anderes erlebt.

Als der Terminkalender des Landgestüts in Celle veröffentlicht worden ist, mussten wir feststellen, dass weder Eirik, noch ich zur Körung nach München reisen könnten, da am gleichen Tag die Hengstvorführung in Adelheidsdorf stattfinden sollte. Also musste ein Plan B her! Auch hier half uns Eirik unheimlich schnell, denn er empfahl uns Anton Schindele, der in Bayern ansässig ist und sich auf die Arbeit mit Jungpferden spezialisiert hat. Da Eirik sowieso zu den Hengsttagen nach München musste, nahm er kurzerhand Blondie mit, einen Monat vor der eigentlichen Körung. Dadurch konnten Blondie und Anton sich in Ruhe kennenlernen und dieser konnte die Ausbildung nahtlos weiterführen. Eine super Wahl und Empfehlung, denn Anton ging ebenso nett, behutsam und gewissenhaft mit Quentin um, wie Eirik.

Dies bewies auch die Ruhe, die Blondie im Rahmen der Körung in München an den Tag legte. Für ihn war der Umzug nach München unspektakulär, das Einstallen am Tag der Körung auf der Olympiareitanlage verlief ebenso unproblematisch. Den Vet-Check vor Ort bestand er ohne Probleme und war bei jedem Handgriff gelassen. Erst, als es an die tatsächliche Körung ging, machte er sich groß, präsentierte sich und war „an“ – jedoch auch hier mit einem großen Maß an Übersicht und Gelassenheit. Kaum war der Moment der Präsentation vorbei, war er wieder frei von jeglicher Spannung, auch wenn die Spannung während der Präsentation immer eine positive war. Am Ende erhielt er ein positives Körurteil, besonders hervorgehoben wurden unter anderem seine schöne, geschwungene Oberlinie und sein sehr guter Schritt. Die Freude war groß, ich erhielt die Nachricht während ich in Celle war und fiel einer Freundin von mir quietschend um den Hals und fing natürlich erst einmal an zu weinen. Und zu lachen. Es war ein absolutes Emotionschaos!

Nun stehen wir also da, mit einem gekörten Hengst – dass uns das „passieren“ konnte war uns natürlich klar, doch haben wir es alle sehr nüchtern betrachtet. Wir waren und sind überzeugt von unserem blonden Strahlemann, der auch auf der Veranstaltung Fans gewonnen hat, die meine Eltern vor Ort „zu diesem tollen Pferd“ beglückwünschten. Dennoch, bei der Körung ist es wie bei einem Turnier, es kommt auf die Tagesform an und wäre Quentin unheimlich beeindruckt von der Kulisse gewesen oder hätten die Richter ihn nicht so toll gefunden, wäre er nicht gekört worden. Wir hätten ihn nicht vorgestellt, wenn wir nicht an ihn glauben würden und uns mehrere versierte und vor allem zuchterfahrene Menschen dazu geraten hätten, doch man bleibt ja trotzdem noch skeptisch und weiß um die Möglichkeit eines negativen Urteils. Die Vorfreude war groß, dennoch blieben wir realistisch und nüchtern.
Wenn ihr das Video zur Körung sehen wollt, dann schaut euch gerne das YouTube Video dazu an, zu welchem ihr HIER gelangt.

Für uns gibt es nun viele verschiedene Möglichkeiten, die wir alle noch genauestens analysieren werden. Wo wird er seine Hengstleistungsprüfung absolvieren, wer wird ihn ausbilden und wie geht es dann weiter? Auch hier lassen wir uns sehr ausführlich beraten und sind uns auf jeden Fall einer Sache sehr sicher: er soll weiterhin so entspannt seine Ausbildung absolvieren, soll zwar gefördert und gefordert werden, jedoch nicht überfordert oder verändert werden. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir einen unheimlich Schatz im Stall stehen haben, der nicht nur Potential hat, sondern auch ein Herz aus Gold und einen klaren, festen Verstand. Wir wollen ihn auf keinen Fall kaputt machen und sind uns der Verantwortung bewusst – der sich jeder Tierbesitzer bewusst sein sollte, doch gerade bei den Themen Sportpferd (Profisport) oder Deckhengst schwindet oft der pferdefreundliche Gedanke. Wir hinterfragen viel, machen uns Gedanken und haben Quentin zwar gezielt, dennoch aber ohne Zwang und Druck auf die Körung vorbereiten lassen. Ebenso wollen wir es mit der weiteren Ausbildung halten. Wie genau die aussieht wissen wir noch nicht genau, da wir dafür noch ein paar Themen klären müssen. Aktuell ist er noch in München und hatte ein wenig Ruhe nach der Aufregung und nun beginnen wir langsam mit dem Anreiten.

Eine Sache haben wir bereits entschieden: der Blonde bleibt bei uns, egal, ob als Deckhengst oder als Wallach. Das war bereits im Voraus klar, so haben meine Eltern sogar schon auf die Fragen, ob er zum Verkauf stünde, mit einem klaren Nein geantwortet. Wäre er Wallach geworden, wäre er vermutlich bei mir gelandet, da meine Schwester nach ihrem Abitur ins Ausland gehen wird. Nun wollen wir allerdings schauen, ob wir den Weg zum Deckhengst mit ihm gehen können, demnach bleibt er auch weiterhin in Profihänden, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich dem Rahmen entsprechend zu entwickeln. Das Projekt Deckhengst bleibt also weiterhin spannend und wir haben bislang noch keinen ganz klaren Plan, nur mehrere Möglichkeiten. Die endgültige Entscheidung über den nächsten Schritt treffen wir in den kommenden Wochen, dabei liegt der Fokus auf seinem Wohlergehen. Auch nach dem positiven Körurteil steht für uns eines fest: alles kann, nichts muss. Auch jetzt besteht für uns noch die Möglichkeit, ihn einfach kastrieren zu lassen, sollte er der Aufgabe wiedererwartend nicht gewachsen sein.