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Als Amateur nimmt man – meist – nur aus einem ganz bestimmten Grund an Turnieren teil: man hat Spaß an der Sache! Anders kann man – fast – nicht erklären, warum man an seinen freien Wochenenden früh aus dem Bett klettert, knapp eine Stunde Anfahrt auf sich nimmt, um dann für ein paar Minuten im Viereck oder noch kürzere Zeit im Parcours zu reiten. Dabei ist der Erfolg auch ein Faktor, weswegen viele auf’s Turnier fahren, doch was genau macht eigentlich den Erfolg aus?

In erster Linie gibt es den gängig bekannten Erfolg: die Turnierplatzierung. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht gerne jedes Mal eine Schleife mit nach Hause nehmen möchte. Man arbeitet zu Hause auf diesen Moment hin und die Schleife ist die offizielle Bestätigung, dass man viel richtig gemacht hat – eigentlich. Manchmal kann es allerdings auch passieren, dass man mal eine mittelgute Note kriegt und trotzdem mit der Runde überdurchschnittlich zufrieden ist, da man für sich selbst einen riesigen Fortschritt erlebt hat – genauso kann es umgekehrt sein, dass man zwar mit Schleife, dafür nicht ganz zufrieden die Heimreise antritt. So geschehen bei mir letztens. Caesarions und meine erste Prüfung dieses Jahr konnten wir gewinnen, wir ritten ein Zeitspringen und ich ritt extrem kurze Wege, was weniger meinem Willen und mehr Caesarions Aufregung geschuldet war, denn er weigerte sich stur, an die Bande zu gehen, sodass mir gar nichts anderes übrig blieb, als kurze Wege zu reiten und ihn „im Gang“ zu halten. Er lief keinen flüssigen Galopp, war spannig, guckte sich am Richtertisch fest und übersprang sich, auf de Abreiteplatz verweigerte er die ersten zwei Sprünge die ich anritt. Wir gingen mit einer goldenen Schleife nach Hause, über die ich mich eigentlich gar nicht so recht freute – auch wenn ich mir natürlich gleichermaßen sagte, dass wenn wir mit so einer schlechten Runde so gut sein können, uns alle Türen offen stehen, wenn wir seine Aufregung in den Griff kriegen. Das letzte Turnier mit Civa endete für mich mit einer – mal wieder, wie nun seit fünf Prüfungen in Folge – mit dem ersten Reserveplatz. Doch ich kam so glücklich vom Turnier heim, wie als Caesarion mit mir sein erstes A Springen durchlief, ohne anzuhalten. Es war eine schöne, harmonische Runde, ich konnte sie vor und zurück reiten, sie verzieh mir einen Fehler, bereits auf dem Abreiteplatz war sie einfach nur weich und schön zu reiten. Für mich war dies ein riesiger Erfolg. Natürlich ein kleiner, bitterer Beigeschmack, dass wir wieder nur ganz knapp an der Platzierung vorbei geschrammt sind, doch nichts ändert dieses mehr als gute Gefühl!




Turniere zu reiten bedeutet Spaß und den eigenen Leistungsstand abzurufen, unabhängig von den Noten. Die oberste Priorität ist es, dass man den Spaß am Reiten, an seinem Pferd und an der gemeinsamen Arbeit nicht verliert und Turniere als Kirsche auf der Torte sieht, die unabhängig vom Ausgang genossen wird. Unabhängig vom Vermögen des Pferdes (in welche Richtung auch immer) ist das wichtigste, dass man sein Pferd mag, und zwar bedingungslos. Turniere sind nur ein kleiner Teil im Leben von uns Amateuren, die meiste Zeit spielt sich daheim im Reitstall ab, wo wir täglich unsere freie Zeit verbringen, sprich wir haben es uns ausgesucht, Zeit mit einem Lebewesen zu verbringen, welches wir uns auch ausgesucht haben. Sich jeden Tag über sein Pferd zu freuen und jeden Tag mitzuverfolgen, wie man gemeinsame Fortschritte macht, ist viel wert.

Nur natürlich sind Berg- und Talfahrten, es geht im Leben nicht immer nur schnurgerade auf’s Siegerpodest. Was wir allerdings nie außer Acht lassen dürfen: egal, was uns der nächste Tag bringt, wir durchleben ihn nie allein, sondern immer gemeinsam mit unserem Partner Pferd. Und wenn wir das realisieren, dann kann man auch mal problemlos eine 5,0 wegstecken, ohne frustriert zu sein oder alles in Frage zu stellen.