Nach Caspians Geburt bleibt auch jetzt noch die Frage bestehen: verkaufen oder behalten? Die Aufzucht eines Pferdes möchte wohl überlegt sein, denn entgegen vieler Meinungen erhält man so kein vergleichsweise günstigeres Pferd. Es fällt bei Pferden schwer, von einem Produkt zu reden, doch bricht man es runter, so hat ein Züchter immense Produktionskosten, die mit der Zucht und Aufzucht einhergehen. Bei den teilweise utopisch geringen Preisen, die die Käufer für ein Pferd zahlen wollen, erhält der Züchter häufig seine eingesetzten Mittel nicht ansatzweise zurück, sprich er zahlt auf gut Deutsch gesagt drauf. Zucht ist in der Theorie ausgesprochen romantisch und schön, doch wer nicht für sich selbst, sondern „für den Markt“ züchtet, wird schnell feststellen, dass es nicht selten passiert – sondern sogar eher die Regel ist – dass die Kosten durch einen Verkauf nicht gedeckelt werden können und der Idealfall ein Verkauf des Absetzers ist, bevor die größeren Kosten auf einen zukommen. Ein gutes, fertiges (Freizeit-)Pferd für maximal 8.000 Euro kaufen zu können ist in der Tat relativ unrealistisch – am Ende muss der Züchter draufzahlen.

Rechnen wir das Ganze einmal für ein dreijähriges Pferd durch – denn meine Pferde sind nun dreijährig, beginnen mit den ersten Schritten in Richtung eines Reitpferdes und bislang habe ich nicht gerade wenig in die beiden investiert – obwohl sie wie gesagt noch nicht einmal geritten sind. Grob gerundet habe ich euch die Kosten aufgeschrieben, die im Laufe der Zeit anfallen können beziehungsweise auf mich zugekommen sind.

Die Rechnung

Die Zahlen sind natürlich variabel, denn wenn die Stute beispielsweise nicht aufnimmt und man mehrere Versuche starten muss, kommt natürlich auch mehr Versand auf einen zu. Ebenso können natürlich auch andere Preise wie Tierarzt, Schmied und Unterkunft häufig nach oben, seltener nach unten schwanken. Wir reden hier also erst einmal von dem absoluten Minimum eines Züchters – wo auch nur der Idealfall gewertet wird, denn Ausnahmen, wie beispielsweise tierärztliche Notfälle etc., sind nicht mit eingerechnet.

Rechnen wir mal mit 1.000 Euro Decktaxe, was bei manchen Hengsten heutzutage schon ein richtiges Schnäppchen ist, vor allem dann, wenn man einen Hengst wählt, der dem späteren Verkauf zuträglich ist. Um mit ganz offenen Karten zu spielen, denn diese Information kann jeder im Internet finden, „Comme il faut“s Decktaxe liegt bei 2.000 Euro. Für „Cent“ habe ich damals 600 Euro und keinen Versand bezahlt, da Wonne bei den Züchtern aufgestallt war und ich so regulär die monatliche „Boxenmiete“ überwiesen habe, zuzüglich der einmaligen Zahlung der Decktaxe und der Tierarztkosten.

Das Sperma muss in der Regel versandt werden, dort kommen circa 80 Euro auf den Züchter zu. Der Versand schwankt je nach Herkunfsort/-land und ist auch vom Wochentag abhängig, denn natürlich kostet ein Wochenendversand mehr. Der Stute ist es nämlich leider „egal“, an welchem Wochentag sie bereit für die Besamung ist. Ich habe zwei Anläufe bei der letzten Besamung von Wonne gebraucht und habe beide Male 37 Euro bezahlt, also insgesamt knapp unter 80 Euro für den Versand. Von der Untersuchung über die Besamung bis hin zu Ultraschallbildern zur Fötus-Kontrolle muss man mit mehreren Tierarzteinsätzen rechnen, diese belaufen sich ungefähr auf 450 Euro. Aktuell haben wir also bereits (mindestens) 1.530 Euro ausgegeben.

Nun ist die Stute tragend und das für elf Monate. In dieser Zeit fallen monatlich für die Unterkunft 250 Euro an, 250 Euro Schmied, 120 Euro für die Impfungen und 80 Euro für die Wurmkuren. All das ist wichtig, um die Stute auch während der Trächtigkeit gesund zu halten – allerdings hat der Züchter nun bis zur Geburt bereits (mindestens) 4.730 Euro ausgegeben. Und das Fohlen ist noch nicht auf der Welt.

Ist das Fohlen erst einmal auf der Welt, fallen weitere Kosten an, bis es abgesetzt wird: 100 Euro Mitgliedschaft im Pferdezuchtverein, 80 Euro Haftpflichtversicherung, 40 Euro Wurmkur, 160 Euro Schmied, 60 Euro Fohlenstarter, 60 Euro für die Impfungen und 200 Euro für die Eintragung. Nun hat der Züchter bereits (mindestens) 5.330 Euro ausgegeben. Nicht eingerechnet sind Benzinkosten und Gebühren wie zum Beispiel Nenngelder für die Fahrt zur Fohlenschau oder -championat. Jetzt wäre der Punkt, an dem das Fohlen auf dem Papier den Stall verlassen müsste (in den meisten Fällen), denn wenn der Züchter Gewinn machen möchte, wäre nun der richtige Zeitpunkt.

Wer dennoch die Aufzucht wagen möchte – eventuell weil er sehr an das Pferd glaubt – muss sich natürlich auch auf weitere Kosten einstellen. 30 Monate á 150 Euro für die Unterkunft, also drei Jahre minus das erste halbe Jahr, denn dort läuft das Fohlen bei Fuß und kostet offiziell nicht, ein Irrglaube, denn natürlich hat man Kosten, nur eben keine monatlichen Unterkunftszahlungen. Natürlich muss man in der Zeit noch die Unterbringung der Mutter zahlen, die ich aber nicht mehr zu den Entstehungskosten des Fohlen rechne. Dazu kommen 650 Euro Schmied, 250 Euro Impfung und 300 Euro für Wurmkuren. Unser selbstgezogenes Pferd hat uns also dreijährig (mindestens) 11.030 Euro gekostet – und auch hier gilt es wieder zu betonen: ohne, dass etwas schief gegangen ist. Zu den Aufzuchtskosten muss ich zusätzlich sagen, dass ich großes Glück mit meinem Aufzuchtsplatz habe, denn ich zahle jeden Monat, seit meine Stuten dort stehen, den gleichen Preis, im Sommer etwas mehr als andere, im Winter dafür etwas weniger, also einen gemittelten Wert. Gerade in der Nähe von Großstädten ist ein Preis unter 200 Euro im Monat für die Aufzucht nicht üblich, sprich die Preise sind von Region zu Region auch sehr unterschiedlich. Unter anderem deswegen stehen meine Stuten auch nicht direkt vor den Toren Hamburgs.

Ein Fohlen zu kaufen ist in der Theorie günstiger, da man oftmals ein gutes Pferd mit viel Potential für vergleichsweise wenig Geld bekommt. Jedoch muss man oftmals mindestens die selbe Summe noch einmal investieren, bis es überhaupt zum Anreiten geht. Das Anreiten an sich ist – je nach Reitstall – mit höheren Kosten verbunden. Zum Beispiel fragte ich in einem Stall mit sehr gutem Ruf bei uns in der Umgebung nach, und die monatlichen Kosten für’s Anreiten (Beritt und Unterbringung) würden sich auf insgesamt 950 Euro monatlich belaufen.

Der Kauf eines Fohlens ist deswegen „günstiger“, weil man die volle Summe nicht mit einem Mal auf den Tisch legt, sprich man sein Pferd Stück für Stück kauft, dennoch muss man sich auch über die Risiken bewusst sein, die die Aufzucht mit sich bringen kann. Beispielsweise hatte ich mit Carlotta das Problem, dass sie vor zwei Jahren auf der Weide durch den Zaun gegangen ist. Sie war verletzt und so musste ich sie behandeln lassen. Alles in einem hat der Tierarzteinsatz hierfür knapp 1.000 Euro gekostet (Röntgen, Notfall, Versorgung, Medikamente, Anfahrt, …) – diese Kosten waren natürlich außerplanmäßig. Auch bei Cosmas Geburt hatte ich außerplanmäßige Kosten, da Komplikationen aufgetreten sind und ich auch hier einen Notfall-Tierarzt zuziehen musste, der Wonne auch noch eineinhalb Wochen lang betreut hat. Also jedes Mal wieder Anfahrt, Kontrollbesuch, Medikament, …

Bin ich ganz ehrlich, weiß ich nicht, ob ich dieses Risiko momentan eingehen möchte – rational betrachtet macht es für mich aktuell keinen Sinn, ein weiteres Pferd aufzuziehen. Unabhängig von der theoretischen finanziellen Möglichkeit muss man nämlich auch entscheiden, ob man diese hohe Verpflichtung eingehen möchte.

Auch wenn sich das jetzt alles sehr nüchtern und teilweise vermutlich auch negativ liest, so hat man am Ende unheimlich viel Freude an einem Jungspund, denn man bereits von kleinauf kennt. Man muss nur realistisch und vorbereitet an die Materie heran gehen und die Risiken kennen, dann kann sowohl die Zucht, als auch der Kauf eines Fohlens eine der schönsten Dinge auf der ganzen Welt sein.