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Foto von Diana Wahl

Was muss man monatlich für ein Pferd einkalkulieren? Diese Frage wird mir häufig gestellt und ich habe mir mal meine Rechnungen der letzten Zeit angesehen, um euch auf diese Frage eine (halbwegs) konkrete Antwort geben zu können. Die Preise variieren je nach Bundesland, Haltungsform und auch je nachdem wie nah ihr an einer Großstadt seid. Da mein Stall direkt vor den Toren Hamburgs liegt zahle ich deutlich mehr, als andere, die eine ganze Ecke außerhalb, also viel ländlicher stehen. Das steht für mich aber in keiner Relation, weil das, was ich zum Beispiel einsparen würde an Boxenmiete, wenn ich etwas weiter weggehen würde, automatisch als Benzingeld mit ins Gewicht fallen würde – das heißt in meinem Fall wäre das eine Milchmädchenrechnung, das muss allerdings jeder für sich selbst entscheiden. Doch gehen wir einmal alles durch:

Unterkunft 

  • Je nach Unterkunft muss man bei uns in Hamburg mit circa 350 Euro (zuzüglich Weideservice, der ist nämlich nicht in allen Ställen mit inbegriffen) rechnen. Wer nicht wie ich in Vollpension steht, zahlt weniger für die Box, muss allerdings stattdessen meist Futter einkaufen und viele der Arbeiten selbst übernehmen – etwas, was für mich zeitlich leider nicht möglich wäre
  • Weideservice (Nutzung der Weide plus das Raus- und Reinbringen) habe ich bisher zwischen 25 und 90 Euro erlebt
  • Bei den Fohlen sieht es deutlich entspannter aus, die stehen je nach Aufwand und nach Jahreszeit für 100 bis 200 Euro pro Pferd.

Tierarzt 

  • Impfungen (halbjährlich für Turnierpferde, jährlich für Nicht-Turnierpferde) liegen bei uns im Schnitt bei 90 Euro (Tetanus, Influenza und bei uns im Stall Pflicht Herpes)
  • Sonderbehandlungen, wie ich sie nun erleben durfte durch eine unerwartete Verletzung und eine Kolik, kommen dazu und man kann mit im Schnitt 100 Euro pro Besuch rechnen, je nachdem, was der Grund des Besuchs ist (ich habe in diesem Fall einen Durchschnittswert genommen aller Besuche, es waren Rechnung von 80, aber auch welche von 160 Euro dabei). Das heißt unabhängig davon, ob das Pferd kerngesund ist, sollte man monatlich immer einen kleinen Puffer mit einplanen, sollte das Pferd mal etwas haben.
  • Für die Fohlen fällt regelmäßig die Wurmkur an, vor allem momentan, da Cosma und Carlotta etwas dünn sind und sie deswegen mehrere Wurmkuren vom Tierarzt verordnet bekommen haben.

Schmied

  • Vier Eisen kosten bei uns 120 Euro, zwei Eisen 80 Euro, barhuf 35 Euro
  • Im Sommer haben alle meine Pferde vier Eisen und Stollenlöcher, da komme ich um alle sechs bis sieben Wochen 12 Eisen (drei Pferde) nicht herum. Im Winter steht Civa hinten barhuf, Caesi steht aktuell komplett barhuf und Wonne auch. Civa und Wonne werden alle acht Wochen gemacht, Caesi ist alle sechs Wochen dran.
  • Die Fohlen gehen auch regelmäßig zum Schmied, hier haben wir ebenfalls den Preis für Barhufpferde – die Korrektur der Hufe bei den ganz Jungen sollte man nicht unterschätzen, denn wenn man damit erst anfängt, wenn sie in den Stall kommen und geritten werden sollen, ist es oftmals für viele Dinge (Bockhufe etc.) zu spät. Deswegen sollte man hier auf gar keinen Fall sparen, das wäre Sparen am falschen Ende und damit schneidet man sich selbst am Ende ins eigene Fleisch

Unterricht & Turniere

  • Eine Unterrichtsstunde liegt in den meisten Ställen bei 20 Euro für eine halbe Stunde Einzelunterricht. Mir ist aber eine Preisspanne von 15 bis 40 Euro für eine halbe Stunde bekannt.
  • Turnierpferdeeintragung und Antrag auf eine Jahresturnierlizenz sind einmalige Kosten,  danach kostet die Fortschreibung pro Pferd 22 Euro pro Jahr und für den Reiter 30 Euro pro Jahr.
  • Prüfungskosten: A Springen 10-12 Euro, L Springen ca 15 Euro – die Startpreise pro Prüfung steigen, je höher man startet.

Das sind die ungefähren Richtwerte, mit denen man (im direkten Einzugsgebiet von Großstädten) rechnen muss. Hinzu kommen Versicherungen und aus Erfahrung kann ich euch sagen, dass wenn ihr mehrere Pferde habt, es sich lohnt, eine „Gruppenversicherung“ abzuschließen. In meiner Haftpflichtversicherung sind aktuell 6 Pferde und auch Sheldon versichert und dafür zahle ich ungefähr 360 Euro im Jahr. Zusätzlich kann ich jedem dazu raten, eine OP-Versicherung für jedes Pferd abzuschließen, denn wir haben gerade schmerzlich erleben müssen was passiert, wenn ein Pferd nicht OP versichert ist und man es dennoch operieren lässt. Wie viele von euch sich sicherlich erinnern ist Nice Guy im September an einer Kolik gestorben, obwohl wir ihn noch haben operieren lassen – die Kosten belaufen sich auf etwas über 10.000 Euro (Erstuntersuchung, Aufnahme in der Klinik, OP, mehrtägiger Aufenthalt in der Klinik, Medikamente, Sonderbetreuung und -Kontrolle Tag und Nacht aufgrund der Schwere des Falls) und das ist etwas, was man in den seltensten Fällen aus der Portokasse zahlt, sodass die paar Euro mehr im Jahr für eine OP Versicherung sich definitiv lohnen, auch wenn man hofft, dass niemals etwas passiert.

Das eigene Pferd ist für viele Menschen ein Traum und ich bin mir bewusst, in was für einer Luxussituation ich mit meinen Pferden bin – das wäre allerdings nicht möglich, wenn ein Teil meines Jobs es nicht wäre, über die Pferde zu schreiben, denn dadurch finanzieren sie sich zum Teil natürlich selbst. Die Zeit im Stall kann ich nutzen, um parallel zu arbeiten, anders wäre das Ganze finanziell nicht machbar. Auch ich schlucke manchmal (vor allem momentan durch die unterschiedlichen Tierarztbesuche und der normale „Wahnsinn“ geht ja trotzdem weiter…), doch habe ich im Voraus alles einkalkuliert und mache dafür an anderen Stellen Abstriche, wo vielleicht der ein oder andere (Nicht-)Reiter nicht verzichten wollen würde. Am Ende des Tages muss man sehr, sehr ehrlich zu sich selbst sein und sich fragen: was kann ich zeitlich und finanziell leisten? Denn ein Selbstversorger Stall ist beispielsweise eine recht günstige Alternative, jedoch muss man dann auch die Zeit dafür aufbringen können – das ist gerade wenn man Vollzeit arbeitet nicht unbedingt immer machbar.