Meine Schwester und ich, 2005 mit Mister Nice Guy

Meine Liebe zu Pferden war schon immer ein Teil meines Lebens – und das, obwohl ich aus einer Familie komme, die absolut nichts mit Pferden am Hut hat, meine Mutter hat sogar eine Allergie. Anfangs musste ich für jede Minute mit Pferden kämpfen, da es dieses Hobby bei uns in der Familie gar nicht gab. Ich bin ganz klassisch erst beim Ponyreiten gewesen (fünf Minuten im Kreis geführt werden auf einem großen Ponyhof, nicht auf dem Jahrmarkt), danach war ich „Sommerferienkind“ auf eben diesem Ponyhof und bin über Longenstunden in den Unterricht auf dem Platz und dann schließlich als Krönung zum Ausreiten gekommen. Das war damals für uns der Ritterschlag, wenn wir uns von der Longe zum Ausritt vorgearbeitet hatten, ich weiß heute noch, wie stolz ich war und wie aufgeregt ich morgens beim Frühstück mit meiner Familie war, ich habe glaube ich von nichts anderem mehr erzählt. Doch jeder Sommer hat ein Ende, so auch dieser und ich wartete sehnsüchtig ein ganzes Jahr auf den Folgesommer.

Als wir 2001 nach Dänemark zogen, gab es glücklicherweise einen Reitstall bei uns in der Nähe und ich hoffte so sehr, dass meine Eltern mir meinen größten Wunsch erfüllen würden, dort einmal die Woche im Schulunterricht zu reiten – ich hatte unfassbares Glück, sie machten es möglich und so radelte ich Freitags nach der Schule beseelt in den Reitstall, putzte die Pferde und bot meine Hilfe an, um möglichst viel Zeit mit den Pferden zu verbringen. Dieser Einsatz blieb meinen Eltern nicht verborgen und gemeinsam nach Rücksprache mit meiner Reitlehrerin erfüllten mir meinen Eltern einen Traum, von dem ich dachte, dass er immer einer bleiben würde: ich bekam ein Pferd! Mister Nice Guy wurde mein bester Freund, er war das beste Pferd, welches ein kleines Mädchen an seiner Seite haben konnte. Er war perfekt, wir konnten ausreiten, mit anderen um die Wette jagen, er hat mir sogar meine ersten E Springen ermöglicht, ich lag gefühlt stundenlang nach dem Reiten auf seinem Rücken und habe lange Zeit nicht fassen können, dass dieser besondere Kerl tatsächlich zu mir gehört.

Spulen wir nun ein paar Jahre vor, hat Mister Nice Guy meiner Schwester das Reiten beigebracht und meine Familie wurde immer mehr vom Pferdevirus infiziert. Obwohl meine Mutter, wie schon erwähnt, allergisch auf Pferde ist, kam sie immer wieder mit in den Stall, schaute beim Unterricht zu, saß vor zwei Jahren sogar selbst einmal auf dem Pferd und googled alles, was sie (noch) nicht versteht. 2016 ging es sogar so weit, dass Quentin gekauft worden ist – von meiner Familie, die den Reitsport bis dahin nur durch meine Schwester und mich erlebt hat. Dadurch, dass Quentin erst wachsen musste, bevor man mit ihm aktiv etwas „anfangen“ konnte, wurden meine Eltern sehr behutsam an das Thema herangeführt. Natürlich sind sie jetzt nicht plötzlich Vollblutreiter und jeden Tag im Stall, doch ich genieße es so sehr, dass meine Familie nun nach und nach zu diesem Hobby findet. Auch wenn ich bezweifle, dass nun auch der Rest meine sehr kleinen Familie in den Sattel steigt, so ist es schön zu sehen, dass wir nun doch eine kleine Pferdefamilie sind. Dieses Hobby ist so zeitintensiv und vor allem besonders, dass es für Außenstehende nicht immer ganz leicht zu greifen ist, umso schöner ist es, wenn man es mit seinen Liebsten teilen kann. Wer weiß, vielleicht reiten wir irgendwann alle auf selbstgezogenen Pferden gemeinsam in den Sonnenuntergang – das ist natürlich ein kitschiger und überzogen formulierter Gedanke, doch wenn meine Eltern so weitermachen, ist es gar nicht so abwegig, dass sie sich doch irgendwann noch in den Sattel schwingen. Auf alle Fälle ist die Freude meinerseits sehr groß, dass wir auf Umwegen eine kleine, feine Reiterfamilie geworden sind.