IMG_0523-webWenn die Umstände einen zwingen, sein Pferd abzugeben, hinterlässt das oftmals Spuren im Herzen. Für mich ist die Thematik mit Wonne sehr belastend gewesen, was ich sehr gut zu überspielen weiß, denn trotz der menschlichen Gefühle, die mir immer wieder vor Augen führen, wie sehr sie mir im Alltag fehlt, ist mir bewusst, dass die Entscheidung richtig war. Ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass ich es mir nicht anders gewünscht hätte.

Als Wonne 2014 das erste Mal verletzt war, ging sie auf eine Weide, wo sie den ganzen Tag draußen stand, Tag und Nacht, weit weg von einem Reitstall, auf einer Wiese fernab von Menschen. Mir gefiel der Gedanke nicht, dass nur einmal am Tag jemand nach dem Rechten sah und hatte teilweise schlaflose Nächte deswegen. Ich wusste zwar, dass sich gut um sie gekümmert wird, doch sie stand einfach nur herum, keiner beschäftigte sich mit ihr. Dieses Mal ging es um einen Endplatz für Wonne, wo sie stehenbleiben kann, komme was wolle.

Durch einen wundervollen Zufall kreuzten Alisas und meine Wege sich vor einer Weile und aus einem vorsichtigen Nachfragen meinerseits wurde dank ihrer Hilfe ein gemeinsamer Plan, sodass ich irgendwann entschied, dass ich Wonne nun zu Alisa bringen würde. Mir ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen, da der Stall nicht um die Ecke von mir ist und ich drei Stunden zu ihr fahre. Ein Stall weiter in der Nähe kam nicht in frage, da alles, was ihr eine adäquate Haltung ermöglicht, so weit weg gewesen wäre, dass ich selbst nicht jeden Tag hätte fahren können und ganz ohne Betreuung mag ich sie einfach nicht stehen lassen – und eine fremde Person mag ich nicht an meine Pferde lassen, wenn ich nicht regelmäßig ein Auge drauf haben kann. Das „geringste Übel“ war also, sie zu Alisa zu stellen, wo ich die Gewissheit habe, dass sich trotz meiner Abwesenheit hingebungsvoll um Wonne gekümmert wird und sie nicht einfach nur ihr Dasein fristet. Wer sich nun fragt, warum ich sie nicht einfach bei mir gelassen habe, dem sei gesagt, dass wir in unserem Stall zwar schon viel Weidezeit haben, diese allerdings nicht für ein Pferd ausreicht, welches nicht mehr zusätzlich richtig bewegt wird und einen Offenstall bietet unser Stall leider nicht an.

Regelmäßig erreichen mich Fotos und Videos, ich erhalte Updates und ich bin zumindest virtuell immer bei Wonne dabei. Sie geht spazieren, wird laufen gelassen, gründlich geputzt und hat bereits Anschluss bei den Stuten gefunden. Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass es mir einen Stich versetzen würde, wenn ich sehe, dass Wonne sich Alisa annähert, denn Hand auf’s Herz: es fällt vermutlich niemandem leicht, wenn sein eigenes Pferd plötzlich nicht mehr so wirklich das eigene Pferd ist, sondern sich wem anderes anschließt, weil diese Person jeden Tag da ist. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ich habe Wonne auf gewisse Weise losgelassen – ohne sie zu vergessen oder abzuschieben – und freue mich, dass sie so gut in ihrem neuen Zuhause angekommen ist. Es wäre egoistisch, wenn ich mir wünschen würde, dass Wonne nur zu mir so eine Bindung haben könnte.

Ich freue mich sehr über diese Lösung und auch darüber, dass Alisa mich privat und auch euch durch ein paar Beiträge immer noch an Wonnes Leben, ihrer Entwicklung und auch an ihren Spleens teilhaben lässt. Es ist ein bisschen so, als wäre sie gar nicht weggegangen.




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