Dänemark ist eine tolle Zeit bislang, ich lerne auf verschiedenen Ebenen unheimlich viel, bin ruhiger, glücklicher und gelassener was viele Dinge angeht und habe mich reiterlich weiterentwickelt. Es ist Zeit, ein kleines Zwischenfazit zu ziehen und die vergangenen Monate bisher einmal revue passieren zu lassen.

Persönlich

Auf persönlicher Ebene bin ich meines Erachtens gereift. Durch diesen ruhigen Ort habe ich mich viel mit mir selbst beschäftigt, hatte plötzlich Zeit und wenig Ablenkung. Gerade die langen Spaziergänge mit Sheldon durch den Wald, die intensive Beschäftigung mit Civa und auch das Einfinden in ein neues Leben haben mich geprägt. In Hamburg war ich häufig gehetzt, hatte gefühlt ständig etwas zu tun. Das Wort „Freizeitstress“ fällt mir spontan ein, denn ich war nicht nur beruflich unfassbar eingespannt, sondern habe auch den Spagat zu meinem Sozialleben machen müssen und bin auch hier permanent gerannt, um es allen recht zu machen.

Hier spielt sich mein Sozialleben in einem Umkreis von einem Kilometer ab, denn ich sehe die meisten nicht nur im Stall, sondern auch im Haus, denn wir wohnen in einem recht großen Haus in einer WG. Mit mir wohnen bei uns im Haus aktuell zwölf Menschen, das heißt es ist immer etwas los, überall trifft man wen und hat eigentlich immer wen, mit dem man quatschen kann. Zusätzlich habe ich weitere Kontakte knüpfen können, die ich über Reiterpartys etc. kennengelernt habe, die allerdings auch aus der Umgebung kommen. Gleichzeitig habe ich meine WhatsApp Kommunikation ein wenig runtergeschraubt: natürlich möchte ich mit allen in Kontakt bleiben, dennoch möchte ich gleichermaßen auch nicht mehr so gestresst sein. Freunde zu haben sollte natürlich kein Stressfaktor sein, doch seit ich mir eben genau das vor Augen geführt habe, dass mir niemand böse ist, wenn ich nicht sofort antworte, sondern eben erst am Abend, bin ich viel ruhiger und entspannter. Meine größte Sorge war es immer, es nicht allen recht machen zu können und am Ende jemanden zu enttäuschen, zu verletzen oder gegen mich aufzubringen. Das hat sich nun deutlich entspannt, denn obwohl ich nicht mehr 24 Stunden lang nonstop erreichbar bin, sind meine Freunde noch da.

Auch das Leben in einer WG hat mich verändert, denn für mich ist das ehrlich gesagt Neuland. Ich habe noch nie in einer WG gelebt, ich habe bis ich 20 war daheim gelebt, danach bin ich ausgezogen. Ich habe schon immer gearbeitet, sprich konnte mir von vorne herein auf eigene Faust eine Wohnung leisten und habe das dann natürlich auch getan. Ich bin extrem penibel was Sauberkeit angeht und deswegen war es für mich immer unvorstellbar, mir mit verschiedenen „Fremden“ (indirekt, mit der Zeit sind es keine Fremden mehr) mein Bad oder die Küche zu teilen, da jeder ein anderes Verständnis von Ordnung und Sauberkeit hat. Für mich ist das Leben in so einer großen WG teilweise nicht ganz einfach, da jeder einen eigenen Rhythmus hat, in dem er seinen Müll beseitigt. Ich beispielsweise räume die Küche immer auf, während ich koche, damit ich danach entspannt mein Essen genießen kann. Es gibt aber natürlich auch andere Kandidaten, die das nicht sofort machen – was in der Theorie nicht schlimm ist, doch wenn man so viele Menschen an einem Ort hat, prallen Charaktere aufeinander (es gab bisher natürlich nie Krach oder ähnliches, wir verstehen uns alle gut und es gibt keine Probleme). Wir haben den Luxus, zwei Küchen und insgesamt fünf Bäder zu haben, doch nutzen die eine Küche zum Beispiel nur zwei Personen, die restlichen sind in der anderen. Ich musste dadurch jetzt – im zarten Alter von 26 – lernen, auch mal Fünf gerade sein zu lassen und nicht ständig das Gefühl zu haben, dass ich hinter allen her räumen muss – anfangs habe ich nämlich tatsächlich ständig die Geschirrspülmaschine ein- und ausgeräumt und alles sauber gemacht. Mittlerweile räume ich meine Sachen zwar weiterhin immer sofort weg, fühle mich aber nicht mehr verantwortlich für den Kram anderer Menschen. Was so simpel klingt, ist für mich wie ein Aha-Erlebnis, denn, wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat, ich bin ein ziemlicher Kontroll-Freak und mir widerstrebt es, anderen das Zepter zu überlassen. Und sei es nur in punkto Ordnung. Ich gebe allerdings zu, dass ich immer noch ein leicht nervöses Zucken kriege, wenn ich in die Küche komme, essen machen will, sich bislang keiner erbarmt hat, die Geschirrspülmaschine auszuräumen und vier Leute ihr Geschirr rumstehen lassen.

Zusätzlich bin ich ein ungemein ruhiger Mensch, dem es schwer fällt, auf andere Menschen zuzugehen. Hier in Dänemark musste ich lernen, das abzulegen, denn aufgrund meiner Filmtätigkeit während der Veranstaltungen musste ich natürlich auch viele Menschen ansprechen und gleichermaßen musste ich die Masse Menschen hier erst einmal kennenlernen – und im Haus ist auch ständig jemand. Das heißt ich wurde hier ordentlich aus der Reserve gelockt und habe viel von meiner Schüchternheit überwunden. Ich würde nicht sagen, dass ich nun plötzlich locker und freudig auf jeden Menschen zuspringe, jedoch wage ich zu behaupten, dass ich ein großes Stück meiner nordischen Zurückhaltung abgelegt habe. 

Reiterlich 

Wenn man nur das Reiten betrachtet, habe ich ungemein viel gelernt. Ich hatte zwar wenig richtigen Unterricht bisher – diesen kann ich an einer Hand abzählen, was so auch eigentlich nicht geplant war – jedoch lernt man viel alleine vom Zusehen. Auch ist das Management um Civa ein anderes geworden, sie hat mittlerweile einen strafferen Zeitplan als ich und hat täglich mehrere Dinge auf ihrer To Do Liste, die sie sowohl fordern, als auch entspannen. Ich habe das Gefühl, dass sie sich so wohler fühlt, sie ist in jedem Falle ein ganz anderes Pferd geworden.

Nun plane ich aktuell meine Rückkehr, ursprünglich sollte ich erst Ende Dezember wieder in meine Heimat kehren, allerdings fahren nächste Woche Donnerstag fast alle gen Süden, um dort zwei Monate lang die Turnierserien in Portugal und Spanien mitzunehmen. Demnach habe ich hier im Stall fast keinen mehr und die Reiter, wegen derer ich hergekommen bin, um von ihnen zu lernen, sind dann weg. Da meine Basis immer noch in Hamburg ist, plane ich aktuell eine zeitnahe Rückkehr, ob es nun schon im Laufe des Oktobers oder erst Novembers wird kann ich ehrlich gesagt noch nicht sagen! Das hängt von unterschiedlichen Dingen ab, ich habe hier auch noch ein, zwei Termine und ich warte noch darauf, dass wir ein genaues Datum festlegen. Auch in Deutschland gibt es ein paar lose Absprachen, wo wir auch nach einem fixen Termin suchen – das heißt meine Rückkehr hängt vor allem davon ab, in welchem Zeitraum ich wo am meisten sein muss.

In Hamburg steht nun der finale Umzug an, ab dem 01.10. wohnt jemand anderes in meiner Wohnung, ich werde also kommende Woche nach Hamburg fahren, meine restlichen Möbel werden in die Wohnung meines Freundes gebracht, ich werde Behördengänge machen müssen (mich selbst ummelden und mein Unternehmenssitz beim Notar verlagern zu meiner neuen Büroadresse) und meine Wohnung mit Freunden und Familie streichen. Eine Woche voller schöner Momente, denn jeder Pinselstrich in meiner alten Wohnung ist ein Schritt weiter in einen neuen Lebensabschnitt. Dann ist dieses Kapitel beendet und ich freue mich auf das neue Kapitel, welches anfängt, sobald ich aus Dänemark wieder nach Hamburg ziehe. Die Frage kam nun ein paar Mal und in meinem Livestream bei Instagram habe ich sie bereits beantwortet: ich ziehe bei meinem Freund ein, beziehungsweise bin bereits einen Monat vor meiner Abreise nach Dänemark bei ihm eingezogen. Nun folgen noch ein paar meiner Möbel (und meine gigantische Küchenausstattung, ich könnte locker für 500 Menschen kochen) und dann sind wir endlich fertig! Das ist natürlich auch ein Grund, weswegen es mir nicht gerade schwer fällt, hier wieder weg zu gehen, auch wenn ich mir im Kern sehr wohl fühle und das Leben genieße.