Am Anfang hat man das Gefühl, dass es noch eine Ewigkeit dauert, bis das kleine Leben das Licht der Welt erblickt. Dann rast die Zeit und man fragt sich, wo die 11 Monate geblieben sind, während die letzten Tage wiederum zäh dahin fließen und das sehnsüchtig erwartete Fohlen einfach nicht kommen mag, obwohl alle Anzeichen auf eine kurz bevorstehende Geburt deuten. Vor fast zwei Wochen war es aber endlich so weit, Caspian (Comme il faut – Coriano – Lasino) erblickte das Licht der Welt und war gesund und munter, auch Wonne hat die Geburt sehr gut überstanden.

Die Geburt an sich verlief anders, als erwartet, denn Caspian kam nicht im Laufe der Nacht zur Welt, sondern nachmittags, während im Reitstall Rittstieg richtig Trubel war. Viele Kinder waren vor Ort, spielten und tobten über den Hof – diesen bot Wonne nun also die erste Fohlengeburt ihres Lebens, denn wenn die Fohlen spät in der Nacht zur Welt kommen, weckt man meist nicht die Kinder. Umso schöner, dass ein gesunder, munterer Hengst das Licht der Welt erblickte, Wonne als Mutter wohlauf war und Caspian auch schnell zum Trinken kam.

Am Folgetag, an welchem auch die Fotos dieses Beitrags entstanden sind, fuhr ich morgens in Hamburg los, um etwas mehr als drei Stunden später zum ersten Mal die frisch gebackene Mama und den Familienzuwachs in die Arme schließen zu können. Wonne wirkte so friedlich, ruhig und glücklich, es ist schön zu sehen, wie sie in ihrer Rolle als Mutter aufgeht, wie liebevoll sie in ihrem Heim umsorgt wird und wie herzlich ich wieder begrüßt worden bin. Durch die weite Fahrt ist es mir leider nicht möglich, sehr regelmäßig dort vorbei zu fahren, so sehr ich es mir auch wünsche. Doch genau deswegen habe ich mich für diesen Stall entschieden, denn die Fürsorge, die dem Pferd dort entgegengebracht wird, sucht seinesgleichen und mir persönlich ist es wichtig, dass Wonne in ihrem Alltag liebevoll umsorgt wird. Sie steht nun in einem Stall, wo sie aufgrund der Zuchtexpertise gut aufgehoben ist, sondern gleichermaßen in einem „Fünf Sterne Resort“ steht – im Sommer mit Blick auf den See auf saftigen Weiden, im Winter in einer Art Offenstall, bis es kurz vor dem Abfohlen in die Abfohlbox geht – besser geht es nicht!

Aktuell ist er ein Fuchs durch und durch, die anfänglich vermeintliche Schimmelbrille ist mittlerweile dunkel, am Körper befindet sich kein Stichelhaar, das Abzeichen im Gesicht sieht nach einem Keilstern und nicht dem Beginn des „Ausschimmelns“ aus. Doch freuen wir uns nicht zu früh – ich persönlich würde mich wahnsinnig über einen Fuchs freuen – denn der Schimmel-Prozess kann auch etwas später einsetzen. So sehr ich mich über einen Fuchs freuen würde, so zufrieden wäre ich auch mit einem Schimmel, denn ein gutes Pferd hat bekanntlich keine Farbe, persönliche Präferenzen sind allerdings völlig normal und entgegen der meisten Vermutungen ist mein Traumpferd nicht weiß, sondern rot oder gescheckt.


Knapp zwei Wochen nach der Geburt kann Caspian seine Beine (fast) kontrollieren, Wonne hat Bewegungsdrang und die beiden genießen ihren täglichen Auslauf, den Wonne mit ausgiebigem Wälzen und Caspian mit seinen ersten Bocksprüngen feiert. Bereits jetzt steht er Cosma, seiner drei Jahre älteren Schwester, und seiner Mutter Wonne in nichts nach, wenn es ums Grimassen-Schneiden geht. Bereits jetzt zeigt er, was er für ein Wirbelwind ist, testet langsam seine Grenzen aus, ist aufgeweckt und fegt im gestreckten Galopp durch die Reithalle. Fast täglich erhalte ich Updates von Alisa (die mich auf den Reitstall gebracht hat) und kann so auch aus Hamburg aus an seiner Entwicklung teilhaben.

Über die nächsten Schritte bin ich mir noch nicht ganz im Klaren, da das Thema Verkauf immer noch im Raum steht. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, dass er verkauft wird – doch als dieser Entschluss gefasst worden ist, war er noch im Bauch. Nun steht dort mein Traumfohlen, denn ich wollte einen Fuchs, einen Hengst, abstammend von Comme il faut aus meiner Wonne. Auch wollte ich ihm ursprünglich keinen Namen geben, damit mir der Verkauf leichter fällt, doch als ich das erste Foto kurz nach der Geburt zugeschickt bekommen habe, war mir sofort klar, dass das „Caspian“ ist. Dieser Name wäre der von Cosma geworden, wäre sie keine Stute. Ich werde die kommende Zeit also auf mich und uns zukommen lassen, in welche Richtung es gehen wird muss wird sich zeigen. Aktuell genieße ich es, seine ersten Schritte begleiten zu können, Wonne so ausgeglichen zu sehen und bin mir sicher, dass sich der Rest finden wird und alles so kommen wird, wie es für uns alle am besten ist!